Vollständige deutsche Übersetzungder Vernehmung vonGeoffrey William Jackson

Royal Commission into Institutional Responses to Child Sexual Abuse
Fallstudie 29 · Tag 155
Sydney, 14. August 2015

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Zeuge
Geoffrey William Jackson · Mitglied der Leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas

Leseschlüssel: Bei Frage-Antwort-Passagen stehen „FRAGE“ beziehungsweise „ANTWORT“ unmittelbar in der Sprecherzeile. Unterbrechungen und Verfahrenshinweise sind gesondert gekennzeichnet. Die Bezeichnungen „Mr“ und „Ms“ bleiben bei Beteiligten erhalten, deren ausgeschriebene Vornamen im Protokoll nicht genannt werden

1. Eröffnung und Vereidigung

001 · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Zunächst müssen wir prüfen, Herr Stewart, ob Kommissionsmitglied Milroy zugeschaltet ist. Frau Professor Milroy, können Sie uns hören und sehen?

002 · KOMMISSIONSMITGLIED · PROF. HELEN MILROY
Ich kann Sie hören, aber ich kann Sie im Moment nicht auf dem Bildschirm sehen. Ich denke jedoch, dass das gleich behoben wird.

003 · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Liegt das Problem am anderen Ende oder bei uns? Wir können Sie jetzt sehen. Können Sie uns sehen?

004 · KOMMISSIONSMITGLIED · PROF. HELEN MILROY
Ja.

005 · ANGUS STEWART SC
Euer Ehren, wie Ihnen bekannt ist, ist der Zeuge heute Vormittag Herr Geoffrey Jackson. Für ihn ist eine anwaltliche Vertretung anzuzeigen.

006 · A. BANNON SC
Darf ich mein Erscheinen für Herrn Jackson anzeigen? Bannon, Euer Ehren.

007 · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Ja, die Erlaubnis wird erteilt.

008 · A. BANNON SC
Vielen Dank, Euer Ehren.

009 · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Herr Jackson, Sie müssen vereidigt werden. Haben Sie dort eine Bibel?

010 · GEOFFREY JACKSON
Ja, selbstverständlich.

011 · VERFAHRENSHINWEIS
<GEOFFREY WILLIAM JACKSON, vereidigt: [11:05 Uhr]

012 · VERFAHRENSHINWEIS
<BEFRAGUNG DURCH HERRN STEWART:

Befragung durch Angus Stewart SC: Person und Funktionen Geoffrey Jacksons

013 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Herr Jackson, nennen Sie bitte Ihren vollständigen Namen und Ihre dienstliche Anschrift.

014 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja. Mein Name ist Geoffrey William Jackson, und ich arbeite in 25 Columbia Heights. Die Postanschrift lautet jedoch 124 Columbia Heights, Brooklyn, New York.

015 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Herr Jackson, Sie wurden meines Wissens 1955 in Queensland, Australien, geboren. Ist das richtig?

016 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist richtig.

017 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Und Sie wurden 1968 in Queensland als Zeuge Jehovas getauft?

018 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist richtig.

019 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Sie verließen die Schule im Alter von 15 Jahren und nahmen anschließend in Tasmanien den Pionierdienst für die Zeugen Jehovas auf. Ist das richtig?

020 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist richtig.

021 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Danach übten Sie verschiedene Aufgaben aus, zunächst als Übersetzer und später als Mitglied eines Zweigkomitees, zuerst auf Fidschi und anschließend auf Samoa?

022 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Wenn ich Sie bitte korrigieren darf, Herr Stewart: zuerst auf Samoa und danach auf Fidschi.

023 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Danke. Meines Wissens wurden Sie 2003 zum Übersetzungsdienst nach New York versetzt. Ist das richtig?

024 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, in den Bundesstaat New York, genauer gesagt in die Schulungseinrichtung der Zeugen Jehovas im nördlich gelegenen Patterson.

025 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Im September 2005 wurden Sie zum Mitglied der Leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas ernannt?

026 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist richtig.

027 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Und meines Wissens üben Sie diese Funktion seitdem ununterbrochen aus?

028 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Auch das ist richtig.

029 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
In der Leitenden Körperschaft gehören Sie meines Wissens sowohl dem Schreibkomitee als auch dem Lehrkomitee an. Ist das richtig?

030 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Wenn Sie mir gestatten, das zu erläutern: Jedes Mitglied der Leitenden Körperschaft ist einem Stammkomitee zugeordnet, bei dem auch sein Büro angesiedelt ist. In meinem Fall arbeite ich in der Schreibabteilung unter dem Schreibkomitee. Darüber hinaus bin ich als Berater für das Lehrkomitee sowie für das Personalkomitee tätig. Ich gehöre jedoch dem Lehr- und dem Personalkomitee auch tatsächlich an.

031 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Meines Wissens gehören Sie somit dem Schreib-, dem Lehr- und dem Personalkomitee an. Ist das richtig?

032 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist richtig.

033 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Könnten Sie kurz erklären, was es bedeutet, in einem dieser Komitees als Berater tätig zu sein?

034 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja. Was meine Rolle betrifft: Jedes Mitglied der Leitenden Körperschaft – derzeit sind es natürlich sieben – bringt eine bestimmte Fachkenntnis ein. Mein Fachgebiet ist die Übersetzung, und wie Sie bereits erwähnt haben, befasse ich mich damit seit geraumer Zeit. Offensichtlich wurde ich aber auch wegen meiner geistigen Befähigung in die Leitende Körperschaft berufen. Meine Aufgabe als Berater des Lehr- und des Personalkomitees besteht daher darin, Empfehlungen zu prüfen: erstens darauf, ob sie biblisch zutreffend und richtig sind, und zweitens darauf, ob sie sich in andere Sprachen übertragen lassen.

035 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Gilt das für sämtliche Angelegenheiten und Entscheidungen der Komitees, denen Sie angehören? Üben Sie also bei allen diese soeben beschriebene Funktion aus?

036 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist die Funktion, die ich ausübe.

037 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Mit anderen Worten: Sie geben Orientierung und stellen sicher, dass die Entscheidungen und die Arbeit dieser Komitees biblisch zutreffend und richtig sind?

038 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Und dass sie übersetzbar sind.

039 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Meinen Sie mit „übersetzbar“, dass sie in die verschiedenen Sprachen der Welt übertragen werden können?

040 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja. Ihnen ist vermutlich bekannt, dass die Zeugen Jehovas ihr Material in annähernd 900 Sprachen übersetzen. Ich glaube, wir haben etwa 893 Übersetzungsteams. Unsere Zeitschrift Der Wachtturm wird in ungefähr 250 Sprachen übersetzt. Daher benötigen diese Komitees mitunter meinen fachlichen Beitrag dazu, wie bestimmte Inhalte in andere Sprachen übertragen werden können.

041 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Meines Wissens beschränkt sich Ihr Beitrag in diesen Komitees nicht auf Übersetzungsfragen, sondern erstreckt sich auf sämtliche Angelegenheiten dieser Komitees. Ist das richtig?

042 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Er erstreckt sich insofern auf sämtliche Angelegenheiten, als ich die biblische Grundlage der Entscheidungen prüfe.

Struktur und Entscheidungswege der Leitenden Körperschaft

043 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Könnten Sie, Herr Jackson, die Komiteestruktur und ihr Verhältnis zur Leitenden Körperschaft erläutern? Berichten die Komitees also an die Leitende Körperschaft als Ganzes und sind sie ihr gegenüber verantwortlich, oder wie funktioniert das?

044 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Vielen Dank, Herr Stewart. Ja, die Leitende Körperschaft hat, wie erwähnt, sieben Mitglieder. Bei 8,2 Millionen aktiven Zeugen Jehovas und ungefähr 20 Millionen Menschen, die mit uns verbunden sind, können die sieben Mitglieder der Leitenden Körperschaft selbstverständlich nicht über jeden Aspekt sämtlicher Bereiche unseres Werkes auf dem Laufenden sein. Deshalb ist die Arbeit der Leitenden Körperschaft auf verschiedene Komitees verteilt. Dabei besteht natürlich ein gewisses Vertrauensverhältnis, weil die Männer, die in diese Komitees berufen werden, etwas von der Tätigkeit in den jeweiligen Bereichen verstehen. Wenn ich noch auf etwas hinweisen darf, das der Kommission meines Erachtens bislang entgangen ist: Es gibt eine Gruppe von 30 Helfern. Diese Helfer wirken nicht im eigentlichen Gremium der Leitenden Körperschaft mit, sondern in den verschiedenen Unterkomitees. Sie unterstützen uns, indem sie Empfehlungen ausarbeiten und Richtlinien umsetzen.

045 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Vielen Dank, Herr Jackson. Nehmen die Helfer auch an den wöchentlichen Sitzungen der Leitenden Körperschaft teil, ohne dort an Entscheidungen mitzuwirken?

046 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Nein. Normalerweise nehmen sie nicht an der einen Sitzung teil, die die Leitende Körperschaft jeden Mittwoch abhält. Benötigen wir allerdings einen besonderen fachlichen Beitrag von einem oder mehreren von ihnen, können sie bei Bedarf eingeladen werden. Sie haben aber recht: Sie verfügen über kein Stimmrecht.

047 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Kann man dann sagen, dass die Komitees gegenüber der Leitenden Körperschaft verantwortlich sind?

048 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Es besteht ein – ja, letztlich beaufsichtigt die Leitende Körperschaft die Arbeit der Komitees. Dabei gibt es jedoch selbstverständlich ein gewisses Maß an Vertrauen. Um ein Beispiel zu nennen: Bei bautechnischen Einzelheiten wäre ich wohl der letzte Mensch auf der Welt, den man fragen sollte. Das Verlagskomitee betreut jedoch unsere weltweiten Bauvorhaben. Denjenigen, die auf diesem Gebiet über größere Fachkenntnis verfügen, vertrauen wir daher an, die meisten Entscheidungen selbst zu treffen.

Die Leitende Körperschaft als „Hüter der Lehre“

049 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Sie haben erklärt, dass die Leitende Körperschaft derzeit sieben Mitglieder hat. Wie wird jeweils festgelegt, wie viele Mitglieder sie umfasst?

050 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Die Leitende Körperschaft kann aus einer beliebigen Anzahl von Mitgliedern bestehen. In den vergangenen Jahrzehnten waren wir beispielsweise zwölf, als ich in die Leitende Körperschaft berufen wurde. Ich glaube, zu einem Zeitpunkt waren es sogar 18. Zu den Voraussetzungen für ein Mitglied der Leitenden Körperschaft gehört, dass jemand als gesalbter Zeuge gilt, über einen biblischen Hintergrund verfügt, viele Jahre als Missionar oder Vollzeitdiener tätig gewesen ist und die Aufgabe der Leitenden Körperschaft erfüllen kann. Darf ich es so formulieren: Sie ist eine geistige Gruppe von Männern, die als Hüter unserer Lehre fungieren. In dieser Eigenschaft befassen sie sich mit Fragen, die auf Grundlage unserer Lehren entschieden werden müssen; diese Lehren wiederum beruhen auf unserer Verfassung, der Bibel.

051 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Wenn die Zahl der Mitglieder der Leitenden Körperschaft erhöht werden soll, ist das also eine Entscheidung der Leitenden Körperschaft selbst?

052 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist richtig. Selbstverständlich würden wir dazu jedoch Informationen aus anderen Bereichen einholen.

053 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Und die Leitende Körperschaft ernennt dann auch die neuen Mitglieder der Leitenden Körperschaft?

054 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist richtig.

055 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Hat eine Person eine fest zugewiesene Funktion, etwa als Koordinator, Vorsitzender oder Präsident?

056 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Meinen Sie innerhalb der Leitenden Körperschaft?

057 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Ja.

058 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Oder meinen Sie die Unterkomitees?

059 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Nein, ich meine die Leitende Körperschaft selbst.

060 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja. Der Vorsitz wechselt jährlich. Es gibt einen Vorsitzenden der Leitenden Körperschaft, dessen Aufgabe sich jedoch darauf beschränkt, die Sitzungen zu leiten.

061 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Es gibt also niemanden, der dauerhaft eine koordinierende Funktion innehat oder etwa als Präsident bezeichnet wird?

062 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist richtig. Lediglich die Komitees, die unter Leitung der Leitenden Körperschaft arbeiten, haben jeweils einen Koordinator.

063 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Wie werden Entscheidungen innerhalb der Leitenden Körperschaft getroffen? Erfolgen sie ausschließlich im Konsens, durch Mehrheitsbeschluss oder nach einem anderen Verfahren?

064 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Wenn eine Richtlinie oder eine Lehrfrage aufkommt oder etwas unseren biblischen Standpunkt betrifft, lassen wir jemanden zu uns kommen, der uns sämtliche dazugehörigen Tatsachen darlegt. Die sieben Beteiligten können selbstverständlich nicht mit jedem einzelnen Gesichtspunkt vertraut sein, den wir berücksichtigen müssen. Nachdem der Vorschlag der Leitenden Körperschaft vorgelegt worden ist, wird er auf die Tagesordnung gesetzt. Jedes Mitglied der Leitenden Körperschaft bemüht sich im Vorfeld durch Gebet und Bibellesen zu erkennen, welche Bedeutung die Bibel für die jeweilige Entscheidung hat. In der anschließenden Beratung wird nach meiner Erfahrung – die sich allerdings erst über die vergangenen zehn Jahre erstreckt – in den meisten Fällen einstimmig entschieden.

065 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Falls keine Einstimmigkeit besteht, entscheidet die Mehrheit. Ist das richtig?

066 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist so. Wie gesagt, kommt es allerdings selten vor. Wenn das Gewissen eines Beteiligten möglicherweise nicht rein ist oder er sich mit einer bestimmten Entscheidung nicht wohlfühlt, verlassen wir uns gewöhnlich auf Gottes Geist, indem wir die abschließende Entscheidung zurückstellen, bis weitere Nachforschungen vorgenommen worden sind. Danach treten wir erneut zusammen.

067 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Durch welchen Mechanismus verstehen Sie Gottes Geist als lenkend für Ihre Entscheidungen?

068 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Damit meine ich Folgendes: Durch Gebet und unter Verwendung unserer Verfassung, des Wortes Gottes, prüfen wir die Schriften darauf, ob irgendein biblischer Grundsatz unsere Entscheidung beeinflusst. Es kann sein, dass uns in der ersten Beratung etwas entgangen ist und dies bei einer weiteren Beratung erkennbar wird. Das betrachten wir dann als ein Wirken des Geistes Gottes, weil wir glauben, dass die Bibel das Wort Gottes ist und durch heiligen Geist entstanden ist.

069 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Wenn Sie von Ihrer Verfassung sprechen, meinen Sie damit – so habe ich Ihre Bezugnahme verstanden – die Bibel?

070 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja. Die Bibel ist unsere Verfassung.

071 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Die Leitende Körperschaft wird in Ihrer Literatur als der „treue und verständige Sklave“ bezeichnet. Können Sie kurz erläutern, was das bedeutet?

072 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Vielen Dank für die Frage. Euer Ehren, dürfte ich für die betreffende Schriftstelle meine Bibel benutzen –

073 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Ja.

074 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ich möchte Matthäus, Kapitel 24, aufschlagen. Herr Stewart, vielleicht kann ich Ihnen die Seitenzahl nennen, damit es etwas schneller geht.

075 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Ich habe die Stelle bereits aufgeschlagen, Herr Jackson.

076 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Sehr gut. Matthäus 24, Verse 45 und 46. So versteht die Leitende Körperschaft ihre Rolle und das, was sie zu tun versucht. Dort heißt es: „Wer ist in Wirklichkeit der treue und verständige Sklave, den sein Herr über seine Hausknechte eingesetzt hat, damit er ihnen zur richtigen Zeit ihre Speise gibt? Glücklich ist jener Sklave, wenn sein Herr bei der Ankunft feststellt, dass er genau das tut!“ Das Ziel der Leitenden Körperschaft als Hüterin unserer Lehre besteht somit darin, Literatur zu veröffentlichen, die Menschen anhand der Aussagen der Bibel im täglichen Leben hilft. Wenn ich noch eine zweite Schriftstelle anführen darf, die ich für sehr wichtig halte: Sie steht in Apostelgeschichte, Kapitel 6. Das ist Seite 1468, Herr Stewart, Apostelgeschichte 6. Hier geht es vielleicht um etwas, das für die Kommission von größerem Interesse ist als lediglich unsere allgemeinen geistigen Lehren. Im ersten Jahrhundert bestand ein praktisches Problem: Die griechischsprachigen Witwen erhielten aus der bestehenden Regelung keine Nahrung. Die Apostel wurden daher gebeten, dieses Problem zu lösen. In den Versen 3 und 4 heißt es: „Darum, Brüder, sucht euch aus eurer Mitte sieben Männer mit gutem Ruf aus, die mit Geist und Weisheit erfüllt sind, damit wir sie für diese notwendige Aufgabe einsetzen können. Wir selbst aber werden uns dem Gebet und dem Dienst am Wort widmen.“ Vers 4 beschreibt damit die Rolle der Leitenden Körperschaft, wie wir sie verstehen: Wir widmen uns dem Gebet und dem Wort Gottes. Deshalb wurden 30 Helfer eingesetzt, die sich stärker mit der praktischen Seite von Richtlinien und deren Umsetzung befassen.

077 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Korrigieren Sie mich bitte, Herr Jackson, falls ich das missverstehe. Die Formulierung „Brüder, sucht euch aus eurer Mitte sieben Männer mit gutem Ruf aus“ scheint mir jedoch nahezulegen, dass eine größere Gemeinschaft von Gläubigen die Auswahl vornimmt und nicht die sieben Männer selbst.

078 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das gehört zu den Schwierigkeiten, die entstehen, wenn eine weltliche Kommission versucht, eine religiöse Angelegenheit zu analysieren. Darauf möchte ich in aller Bescheidenheit hinweisen. Nach unserem Verständnis der Schriften wurden diese Männer durch die Apostel eingesetzt. Ihr Einwand ist durchaus nachvollziehbar. Nehmen wir hypothetisch an, andere hätten diese sieben Männer ausgewählt; dann geschah dies dennoch auf Anweisung der Apostel.

079 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Betrachten Sie sich als Mitglieder der Leitenden Körperschaft als von Jehova Gott eingesetzt oder als Personen, die im Auftrag oder unter der Autorität Jehovas handeln?

080 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Wir betrachten uns als Mitarbeiter unserer Brüder und Schwestern. Uns wurde die Verantwortung übertragen, die Lehre zu schützen beziehungsweise Hüter der Lehre zu sein. Ähnlich verhält es sich mit Ältesten, von denen gesagt wird, sie seien durch heiligen Geist eingesetzt. Wie Ihnen vermutlich bekannt ist, bedeutet das nach unserem Verständnis: Entspricht ein Ältester den Anforderungen, die die Bibel an einen Ältesten stellt, dann ist er durch den heiligen Geist eingesetzt. Das Gleiche gilt für die Leitende Körperschaft.

081 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Wenn gesagt wird, der treue und verständige Sklave bestehe aus einer kleinen Gruppe gesalbter Brüder, sollen wir darunter verstehen, dass Sie Ihrer Überzeugung nach durch den heiligen Geist gesalbt sind?

082 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist richtig. Ich möchte allerdings ergänzen, dass es viele gesalbte Zeugen Jehovas gibt, die nicht der Leitenden Körperschaft angehören.

083 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Würde das sämtliche Ältesten weltweit einschließen?

084 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Nein, das ist nicht richtig. Die Salbung, von der wir sprechen, wird in Römer, Kapitel 8, beschrieben; dort ist von einer himmlischen Berufung die Rede. Die Mehrheit der Zeugen Jehovas hofft daher, auf einer paradiesischen Erde zu leben. Diejenigen hingegen, die durch heiligen Geist ausgewählt worden sind, haben die Hoffnung, im Himmel zu leben – mit anderen Worten, nach ihrem Tod in den Himmel zu kommen.

085 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Herr Jackson, handelt es sich dabei um die erwähnten 144.000?

086 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
In Offenbarung, Kapitel 14, wird letztlich die Gesamtzahl von 144.000 genannt.

087 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Betrachten die Leitende Körperschaft beziehungsweise ihre Mitglieder sich als neuzeitliche Jünger, also als heutiges Gegenstück zu den Jüngern Jesu?

088 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Wir hoffen jedenfalls, Jesus nachzufolgen und seine Jünger zu sein.

089 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Und betrachten Sie sich als Sprecher Jehovas auf der Erde?

Organisation, Richtlinien und Veröffentlichungen

090 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Es wäre meines Erachtens ziemlich anmaßend zu behaupten, wir seien der einzige Sprecher, den Gott benutzt. Die Schriften zeigen eindeutig, dass jemand im Einklang mit Gottes Geist handeln kann, wenn er den Versammlungen Trost und Hilfe gibt. Ich möchte es jedoch noch etwas präzisieren und auf Matthäus 24 zurückkommen: Jesus sagte eindeutig, dass es in den letzten Tagen – und die Zeugen Jehovas glauben, dass wir in den letzten Tagen leben – einen Sklaven, also eine Gruppe von Personen, geben werde, die für die geistige Speise verantwortlich sei. Insofern betrachten wir uns als Personen, die sich bemühen, diese Aufgabe zu erfüllen.

091 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Herr Jackson, ich möchte Sie auf ein Dokument verweisen. Ich nehme an, dort ist jemand, der Ihnen behilflich sein kann. Es handelt sich um Beweisstück 29-028, das Handbuch Branch Organisation vom Januar 2015, insbesondere Kapitel 1. Können Sie bestätigen, dass Ihnen die erste Seite von Kapitel 1 vorliegt?

092 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, das tut sie. Vielen Dank, Herr Stewart.

093 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
In Absatz 1 heißt es: „Die Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas besteht aus Brüdern, die gesalbte Diener Jehovas sind.“ So verstehen Sie es, entsprechend Ihrer Erläuterung vor wenigen Minuten?

094 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist richtig.

095 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Anschließend heißt es: „Sie tragen die Verantwortung dafür, dem Königreichswerk Richtung und Schwung zu geben.“ Dazu werden einige Bibelstellen angeführt. Entspricht das Ihrem Verständnis?

096 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist richtig.

097 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Weiter heißt es: „Wie ihr Gegenstück im ersten Jahrhundert sucht die heutige Leitende Körperschaft bei Jehova, dem universellen Souverän, und bei Jesus Christus, dem Haupt der Versammlung, in allen Angelegenheiten Führung.“ Sehen Sie das so?

098 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, das ist richtig.

099 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
In Absatz 2 heißt es im ersten Satz: „Die Bibel sagt: ‚Alles soll anständig und geordnet geschehen.‘ Die Leitende Körperschaft befolgt diese Anweisung, indem sie verschiedene hilfreiche Verfahren und Richtlinien einführt, die den reibungslosen und geordneten Ablauf in den Zweigbüros und Versammlungen gewährleisten.“ Sollen wir daraus schließen, dass damit die von den Zeugen Jehovas – insbesondere von der Watchtower Bible and Tract Society of Pennsylvania – veröffentlichten Verfahren und Richtlinien gemeint sind?

100 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Wenn ich Ihre Frage richtig verstanden habe, Herr Stewart, möchte ich Folgendes erklären: Wie hier hervorgehoben wird, trägt die Leitende Körperschaft eine Verantwortung. Ich darf Sie jedoch daran erinnern, dass Sie aus einer Veröffentlichung zitieren, die weder eine Verfassung noch ein Rechtsdokument oder ein Vertrag ist. Sie beschreibt vielmehr das Verhältnis und die Verantwortlichkeiten zwischen der Leitenden Körperschaft und dem Zweigkomitee. In diesem Absatz weisen wir die Zweigkomitees auf eine Verantwortung hin, die wir empfinden: dass nämlich bestimmte Verfahren erforderlich sind und in geistigen Angelegenheiten eine gewisse Anleitung gegeben werden muss.

101 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Im folgenden Satz heißt es: „Verantwortungsbewusste christliche Männer leisten ihren Beitrag, indem sie mit gutem Beispiel vorangehen und solche Regelungen gehorsam umsetzen.“ Sollen wir daraus schließen, dass die Leitende Körperschaft von den Zweigen weltweit erwartet, nach diesen Verfahren und Richtlinien zu handeln?

102 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das wird erwartet. Ich möchte jedoch folgende Einschränkung anbringen. Wie Absatz 2 im zweiten Satz beginnt: „Die Leitende Körperschaft befolgt diese Anweisung.“ Herr Stewart, Sie müssen im Hinblick auf unsere Organisation verstehen, dass sie vom Glauben getragen wird. Es handelt sich nicht um eine Organisation von Juristen oder von Menschen, die sich übermäßig mit rechtlichen Fragen beschäftigen. Unsere vorrangige Loyalität gilt daher Jehova Gott. Der Leitenden Körperschaft ist bewusst: Würden wir eine Anweisung geben, die nicht mit Gottes Wort übereinstimmt, würden sämtliche Zeugen Jehovas weltweit, die eine Bibel besitzen, dies bemerken und erkennen, dass die Anweisung falsch ist. Als Hüter tragen wir deshalb die Verantwortung, sicherzustellen, dass alles biblisch vertretbar ist. Ist eine Anweisung biblisch richtig, erwarten wir, dass die Mitglieder des Zweigkomitees, die selbst Christen sind und die Verfassung anerkennen, ihr folgen. Zugleich gibt es für Zweigkomitees die Möglichkeit, sich an uns zurückzuwenden, wenn sie feststellen, dass etwas nicht funktioniert. Dann können wir die Regelung entsprechend anpassen.

103 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Vielen Dank, Herr Jackson. Auf die Frage solcher Anpassungen werde ich gleich zurückkommen. Zunächst: Soll ich aus Ihren Ausführungen schließen, dass die Leitende Körperschaft Jehova Gott zu gehorchen versucht?

104 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Unbedingt.

105 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Und dass die Zweige der Leitenden Körperschaft zu gehorchen versuchen?

106 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
In erster Linie versuchen die Zweige, Jehova zu gehorchen. Wir alle gehören derselben Ordnung an. Da sie jedoch ein zentrales Gremium geistig gesinnter Männer anerkennen, das geistige Anleitung gibt, gehen wir davon aus, dass sie dieser Anleitung folgen oder uns darauf hinweisen, falls etwas nicht angemessen ist.

107 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Und von den Versammlungen wird wiederum erwartet, dass sie den Zweigen gehorchen?

108 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Auch hier gilt: Zuerst müssen sie Jehova Gott gehorchen. Das ist das Allererste, was sie tun müssen. Wird jedoch eine auf der Bibel beruhende Anweisung erteilt, erwarten wir aufgrund ihres Respekts vor der Bibel, dass sie ihr folgen.

109 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Und die jeweils maßgebliche Auslegung der Bibel stammt von der Leitenden Körperschaft. Ist das richtig?

110 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Letztlich ja. Als Hüter unserer Lehre und unserer Glaubensüberzeugungen muss eine zentrale Gruppe diese Entscheidung treffen. Das bedeutet aber nicht, dass wir solche Entscheidungen völlig allein und einseitig ohne Nachforschungen und ohne Beiträge anderer treffen.

111 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Darf ich Sie bitten, nun Absatz 4 auf dieser Seite anzusehen? Dort heißt es: „Die Leitende Körperschaft erteilt neuen Veröffentlichungen sowie neuen Audio- und Videoprogrammen die abschließende Genehmigung.“ Das fällt meines Wissens ganz wesentlich in die Zuständigkeit des Schreibkomitees. Ist das richtig?

112 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist richtig.

113 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
In Absatz 5 heißt es: „Die Leitende Körperschaft ist für die Ernennung und Abberufung von Mitgliedern der Zweig- und Landeskomitees zuständig und bestimmt den Bruder, der als Koordinator des Komitees dient.“ So wird also verfahren?

114 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist richtig.

115 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Zurück zu den Veröffentlichungen: Wenn Absatz 4 besagt, dass die Leitende Körperschaft Veröffentlichungen genehmigt, schließt das die Zeitschriften Erwachet! und Der Wachtturm ein?

116 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, das tut es. Darf ich das erklären? Wir haben eine Korrekturabteilung, die selbstverständlich alles liest, bevor es gedruckt wird, und dafür verantwortlich ist, dass grammatisch alles stimmt. Wir haben Setzer, die die Zeitschriften gestalten. Viele Menschen arbeiten an unterschiedlichen Aufgaben. Die Rolle der Leitenden Körperschaft – und meine Rolle als ihr Mitglied – besteht darin, jede dieser Veröffentlichungen zu lesen und zu prüfen, ob sie mit den Schriften übereinstimmt. Bei Erwachet! habe ich möglicherweise keine Ahnung von einem behandelten technischen Thema, weil es Bereiche betrifft, von denen ich nichts verstehe. Entscheidend ist für mich bei der Lektüre jedoch: Lässt es sich übersetzen, und stimmt es mit dem überein, was die Bibel sagt?

117 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Gehören zu den Veröffentlichungen, die der Genehmigung der Leitenden Körperschaft bedürfen, auch Handbücher wie Hütet die Herde Gottes, Organisiert, Jehovas Willen zu tun sowie das Handbuch Branch Organisation, das wir gerade betrachten?

118 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, wiederum mit der Einschränkung, dass wir diese Handbücher nicht selbst schreiben. Sie werden von denjenigen verfasst, die mit dem betreffenden Bereich unseres Werkes befasst sind. Diese nehmen die notwendigen Nachforschungen vor. Anschließend liest die Leitende Körperschaft sie abschließend – nicht um sicherzustellen, dass jede einzelne Richtlinie unter sämtlichen denkbaren Umständen funktioniert, denn mit all diesen unterschiedlichen Gesichtspunkten sind wir selbstverständlich nicht vertraut, sondern um sicherzustellen, dass aus biblischer Sicht nichts daran falsch ist.

119 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Die Leitende Körperschaft übernimmt aber die Verantwortung für diese Veröffentlichungen?

120 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, wir übernehmen die geistige Verantwortung dafür. Ich möchte nur anmerken: Sollte sich ein Druckfehler einschleichen und wir etwa behaupten, im Inneren Australiens lebten Pinguine, dann übernehmen wir selbstverständlich die Verantwortung. Das liegt allerdings nicht innerhalb unseres Fachgebiets. Wir würden aber prüfen, von wem die falsche Information stammte.

121 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Schließen die in Absatz 4 genannten Veröffentlichungen auch Schreiben an Älteste beziehungsweise an Ältestenschaften weltweit ein?

122 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, sofern sie im Namen der Leitenden Körperschaft unterzeichnet sind. Es gibt jedoch Hunderte von Schreiben, die von Dienstabteilungen versandt werden und nicht notwendigerweise von der Leitenden Körperschaft stammen.

123 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Ich hätte mich klarer ausdrücken sollen, Herr Jackson. Ich meine standardisierte Schreiben an Ältestenschaften, die allgemeine Angelegenheiten normativ regeln, nicht einzelne Schreiben zu einem konkreten Problem, das irgendwo aufgetreten ist.

124 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das stimmt, Herr Stewart. Es kommt jedoch sehr selten vor, dass eine Versammlung ein Schreiben erhält, das von der Leitenden Körperschaft selbst unterzeichnet ist. Üblicherweise wird eine Vorlage mit den grundlegenden Prinzipien und Ähnlichem genehmigt. Den Zweigen ist es dann in vielen Fällen gestattet, Anpassungen an die örtlichen Gegebenheiten vorzunehmen – keine Änderungen an biblischen Fragen; dafür müssten sie sich an uns zurückwenden, wohl aber Anpassungen an lokale Verhältnisse.

125 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Diese Anpassungen bedürfen allerdings ihrerseits der Genehmigung des Bethels in New York. Ist das nicht richtig?

126 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Dem würde ich bei allem Respekt widersprechen. Entschuldigen Sie, Herr Stewart, soll ich aufhören?

127 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Nein, nein, fahren Sie fort.

128 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Gut. Können Sie mich einwandfrei hören?

129 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Ja, danke.

130 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Gut, vielen Dank. Wir sprechen also wiederum über eine große Bandbreite von Schreiben. Bei Schreiben, die von der Leitenden Körperschaft unterzeichnet sind, trifft das zweifellos zu. Richtlinienschreiben können jedoch vor Ort angepasst werden. Wäre ein Beispiel hilfreich?

131 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Ja, Herr Jackson.

132 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
In vielen Ländern notieren Zeugen Jehovas bei ihrer Predigttätigkeit die Kontaktdaten einer Person, wenn diese Interesse an der Botschaft zeigt, und besuchen sie später erneut. In manchen Ländern ist dies jedoch rechtlich nicht zulässig, weil es als Eingriff in die Privatsphäre gilt. Würde ein Schreiben versandt, das solche Gesichtspunkte behandelt, erwarteten wir daher vom örtlichen Zweig, die notwendigen Anpassungen vorzunehmen, damit es für das jeweilige Land angemessen ist.

133 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Vielleicht kann ich Ihnen ein Beispiel zeigen, Herr Jackson. Bitte lassen Sie sich aus dem vorgelegten Aktenband Register 94 geben.

134 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ich habe es hier vor mir.

135 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Hatten Sie zuvor Gelegenheit, diese Korrespondenz einzusehen, Herr Jackson?

136 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Nein. Sie stammt, glaube ich, aus dem Jahr 1998 – also aus einer Zeit lange vor meiner Zugehörigkeit zur Leitenden Körperschaft.

137 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Ich bezog mich auf die vergangene Woche, Herr Jackson. Hatten Sie Gelegenheit, diese Korrespondenz zu lesen –

138 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ich habe meinen Vater gepflegt. Ich hätte mich gern gründlich vorbereitet, hatte dazu aber keine Möglichkeit. Ich ging davon aus, dass die Kommission erfahren wollte, was ich persönlich aus meiner Erfahrung beitragen kann. Nein, ich hatte keine Gelegenheit, all diese Unterlagen zu lesen.

139 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Dann werde ich sie mit Ihnen durchgehen, Herr Jackson.

140 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Danke.

141 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Sie sehen hier ein Schreiben des australischen Zweigs vom April 1998 an das Dienstkomitee der Leitenden Körperschaft. Mir ist selbstverständlich bewusst, dass Sie dem Dienstkomitee nicht angehören. Der australische Zweig schreibt: „Wir antworten nun auf euer Schreiben …“ Als Betreff ist angegeben: „Zur Möglichkeit, etwas über Vertraulichkeit und die Rechtslage in Fällen von Kindesmissbrauch schriftlich festzuhalten. Wir schätzen die Auffassung des Schreib- und des Dienstkomitees und danken für die Gelegenheit, uns weiter dazu zu äußern. Wir bedauern, dass sich unsere Antwort so lange verzögert hat …“ und so weiter. Im nächsten Absatz heißt es: „Bislang erwarten die Brüder im Allgemeinen, dass die Ältesten sämtliche Angelegenheiten vertraulich behandeln, da dies wiederholt betont worden ist. In Australien ist es vorgekommen, dass Älteste bereit waren, wegen Missachtung des Gerichts bestraft zu werden, anstatt vertrauliche Informationen offenzulegen. Nunmehr erklären wir jedoch, dass Älteste das Gesetz befolgen sollten, wenn eine gesetzliche Meldepflicht besteht und ihnen keine Ausnahme offensteht.“ Im folgenden Absatz heißt es: „Es wurde vorgeschlagen, den nachstehenden Text in einem Fragekasten in Unser Königreichsdienst zu veröffentlichen. Er müsste als Teil des Programms der Dienstzusammenkunft eingeplant werden, sofern wir nicht einfach den vorsitzführenden Aufseher oder einen anderen Ältesten bitten, die Frage und Antwort im Bekanntmachungsteil der Zusammenkunft vorzulesen.“ Danach folgt der vorgeschlagene Text. Sehen Sie das?

142 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, ich sehe es.

143 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Unter Register 96 finden Sie die Antwort auf dieses Schreiben.

144 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Register 96.

145 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Vom 24. Juli 1998.

146 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Gut, ja. Ich sehe es.

147 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Am unteren Rand der Seite sehen Sie, dass das Schreiben von der Watchtower Bible and Tract Society of Pennsylvania für das Dienstkomitee stammt. Es nimmt Bezug auf das Schreiben vom 28. April 1998 mit dem Vorschlag für einen möglichen Fragekasten in einer Ausgabe von Unser Königreichsdienst. Dann heißt es: „Nach sorgfältiger Prüfung der Angelegenheit ist man zu dem Schluss gelangt, dass es angemessen wäre, die vorgeschlagene Frage und Antwort entsprechend eurem Schreiben zu veröffentlichen, sofern das Zweigkomitee in Australien diese Veröffentlichung weiterhin empfiehlt … Es ist nicht notwendig, die Behandlung der Information im Programm einer Dienstzusammenkunft vorzusehen … Wir überlassen es den Brüdern, die dargebotene Information zu lesen …“ Daraus ergibt sich – und ich gebe Ihnen Gelegenheit, dazu Stellung zu nehmen oder zu antworten, Herr Jackson –, dass selbst Angelegenheiten dieses Detaillierungsgrades erstens in der Praxis dem Bethel in New York zur Genehmigung vorgelegt werden und zweitens auch dessen Genehmigung oder Zustimmung bedürfen.

148 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
In diesem konkreten Fall haben die Brüder in Australien offensichtlich an das Dienstkomitee geschrieben. Ich möchte jedoch hervorheben, weshalb dies für uns von Bedeutung ist: Die Leitende Körperschaft gibt hinsichtlich der Gottesdienste beziehungsweise der Zusammenkünfte der Zeugen Jehovas Anleitung. Dieses Schreiben fragt, so nehme ich an – ich sehe das Dokument zum ersten Mal –, ob der betreffende Inhalt in das eigentliche Programm in den Königreichssälen aufgenommen werden darf. Aus dem hier Gesagten schließe ich, dass die Leitende Körperschaft oder ihr Dienstkomitee hierzu eine Anweisung erteilt hat. Der Grund dafür ist jedoch, dass es unser geistiges Programm betrifft.

149 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Bei Entscheidungen über Veröffentlichungen lassen Sie sich nach Ihrer Aussage von den Schriften leiten?

150 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist richtig.

151 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Das setzt selbstverständlich voraus, dass die Schriften von Zeit zu Zeit ausgelegt werden?

152 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist die Aufgabe der Leitenden Körperschaft.

153 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Verstehe ich richtig, dass sich die Auslegung der Schriften durch die Leitende Körperschaft in einem bestimmten Punkt im Laufe der Zeit ändern oder weiterentwickeln kann?

154 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Auch das ist richtig.

155 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Ein Beispiel wäre meines Erachtens die Frage der Blutfraktionen und ob diese vom Verbot der Annahme von Bluttransfusionen erfasst sind oder nicht.

156 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Auch das ist richtig. Ich möchte jedoch erwähnen, dass zu der Zeit, als Bluttransfusionen erstmals eingeführt wurden, hinsichtlich der Blutfraktionen noch nicht viele Möglichkeiten bestanden.

157 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Ja, aber worauf ich hinauswill beziehungsweise was ich verstehen möchte, ist Folgendes: Zu einem bestimmten Zeitpunkt bestand die Auslegung, dass Zeugen Jehovas keine Blutfraktionen annehmen sollten. In jüngerer Zeit wurde meines Wissens jedoch anerkannt, dass es für Blutfraktionen keine konkrete biblische Anweisung gibt und die Entscheidung deshalb dem persönlichen Gewissen des einzelnen Zeugen Jehovas überlassen bleibt.

158 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist richtig. Herr Stewart, wenn ich dazu etwas sagen darf: Dies ist ein Beispiel für das Bestreben der Leitenden Körperschaft, nicht über die Schriften hinauszugehen. In Apostelgeschichte 15, Verse 28 und 29, finden wir eindeutig die Anweisung, sich von Blut zu enthalten. Zugleich nimmt das medizinische Wissen – wie in allen Bereichen der Gesellschaft – immer weiter zu. Es kann sehr schwierig sein, die gesamte aktuelle medizinische Forschung zu überblicken. Die Leitende Körperschaft bemüht sich jedoch sicherzustellen, dass sie nicht über das Geschriebene hinausgeht. Stellen wir fest, dass eine biblische Anweisung möglicherweise zu weit angewandt worden ist, sind wir die Ersten, die versuchen, dies zu korrigieren.

159 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Ich nehme an, auch der Wissensstand über die Schriften und insbesondere die historischen Kenntnisse über sie verbessern beziehungsweise erweitern sich mit der Zeit?

160 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist richtig. Es gibt jedoch einige grundlegende Aussagen der Bibel, die sich seit den Anfängen der Religion der Zeugen Jehovas nicht verändert haben. Ich werde Ihre Zeit selbstverständlich nicht damit beanspruchen, sie im Einzelnen durchzugehen. Es ist aber wichtig zu erkennen, was zu den grundlegenden Aussagen der Bibel gehört. Beispielsweise die Frage: Stammt die Bibel von Gott? Es besteht keinerlei Möglichkeit, dass wir unsere Auffassung hierzu ändern.

2. Fragen des Vorsitzenden: Bibelauslegung, Kinder und die Rolle von Frauen

161 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Herr Jackson, Ihnen ist vermutlich bekannt, dass wir bereits früher in dieser Anhörung mit einigen Mitgliedern Ihrer Religionsgemeinschaft über das Verhältnis zwischen der Bibel – die in einer Zeit bestimmter politischer und gesellschaftlicher Strukturen verfasst wurde – und ihrer wörtlichen Relevanz im heutigen gesellschaftlichen und politischen Kontext gesprochen haben. Sind Sie mit diesen Erörterungen vertraut?

162 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja. Ich habe Ihre Frage gehört, Euer Ehren, und war damals ziemlich frustriert, weil ich keine Gelegenheit hatte, darauf zu antworten. Nun scheint sich diese Gelegenheit zu ergeben.

163 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Ich werde Ihnen diese Gelegenheit geben. Es liegt auf der Hand, dass sich unser Verständnis im Laufe der Zeit in Fragen, die für diese Kommission von Bedeutung sind, verändert hat – sowohl in medizinischer und gesellschaftlicher Hinsicht als auch hinsichtlich der damit verbundenen politischen Fragen. Dessen sind Sie sich bewusst?

164 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, dessen bin ich mir bewusst, Euer Ehren.

165 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Eine der Eigenschaften, die wir festgestellt haben – und über die ich bereits gesprochen habe und die Ihnen gewiss bekannt ist –, zeigt sich beim sexuellen Missbrauch von Kindern in Institutionen: Kinder sind häufig nicht in der Lage, einem Erwachsenen zu berichten, was mit ihnen geschehen ist. Ist Ihnen dieses Problem vertraut?

166 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist richtig. Ja, dieses Problem ist mir vertraut.

167 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Ich habe es mit einer Ermahnung beschrieben, die jedenfalls in meiner Kindheit verbreitet war: Kinder solle man sehen, aber nicht hören. Sie verstehen, was ich meine?

168 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Mhm, ich verstehe.

169 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Dieses Konzept ist Ihnen bekannt?

170 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja. Ja.

171 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Ist es auch für Jehovas Zeugen relevant?

172 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Euer Ehren, in unseren Veröffentlichungen – selbstverständlich kann ich Ihnen im Moment keine Beispiele nennen, aber wir würden das sehr gern nachreichen – gehört es zu den wesentlichen Dingen, bei denen wir Eltern unterstützen wollen, ihre Kinder zur Kommunikation mit ihnen zu ermutigen. Als Missionar im Südpazifik habe ich erlebt, dass die dortigen Kulturen genau dem entsprechen, was Euer Ehren gerade beschrieben haben. Wenn Kinder diszipliniert oder zurechtgewiesen werden, sollen sie überhaupt nicht sprechen. Wir sagen Eltern jedoch immer wieder: „Nein, Kinder müssen sich ausdrücken können. Sie müssen Liebe spüren, damit sie dazu in der Lage sind.“

173 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Sie haben dort eine Bibel. Schlagen Sie bitte 1. Timotheus, Kapitel 3, auf –

174 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja.

175 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
– Vers 4. Dort ist von einem Mann die Rede, der seinem Haushalt gut vorsteht und seine Kinder in Unterordnung hält. Was bedeutet das?

176 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist eine sehr gute Frage, Euer Ehren. Aus biblischer Sicht schließt das Wort „Unterordnung“ Respekt und die Bereitschaft ein, Anweisungen zu befolgen. Es bedeutet nicht –

177 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Ihre Bibel verweist an dieser Stelle auf Epheser, Kapitel 6, Vers 4?

178 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist richtig.

179 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Dort wird Vätern die Verpflichtung auferlegt, ihre Kinder in der Zucht und Ermahnung Jehovas aufzuziehen. Was ist unter der „Zucht Jehovas“ zu verstehen?

180 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Euer Ehren, das Wort für „Zucht“ in der Originalsprache bezeichnet einen Prozess des Lehrens, Erziehens und des Zu-einem-Jünger-Machens.

181 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Von diesem Verweis im Epheserbrief führt Ihre Bibel dann zu Sprüche, Kapitel 13, Vers 24?

182 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja.

183 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Das genaue Zitat lautet: „Wer seine Rute zurückhält, hasst seinen Sohn.“ Was bedeutet das?

184 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Euer Ehren, Sie werden bemerken, dass bei dem Wort „Rute“ ein Sternchen steht und eine Fußnote angegeben ist.

185 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Ja.

186 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
„Zucht oder Bestrafung“. Bei der Anwendung wird der Ausdruck „Rute“ daher als Symbol oder Metapher für die Befugnis verwendet, eine Strafe zu verhängen. In einer heutigen Situation hätte mein Vater mir beispielsweise sagen können, dass ich nicht ins Kino gehen dürfe, weil ich gegen Regeln unseres Haushalts verstoßen hatte.

187 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Es geht also nicht darum, körperliche Züchtigung auszuüben?

188 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Es geht ganz eindeutig nicht darum, körperliche Züchtigung auszuüben.

189 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Als dieser Text ursprünglich verfasst wurde, war das aber so, nicht wahr?

190 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Wie die Menschen ihn damals angewandt haben, ist natürlich eine offene Frage.

191 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Nach meinem Verständnis sagen Sie mir also, dass Ihre Religion, Ihre Kirche, bereit ist, die Bibel unter Berücksichtigung heutiger gesellschaftlicher Einstellungen und Maßstäbe auszulegen. Ist das richtig?

192 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Selbstverständlich müssen wir das berücksichtigen, Euer Ehren. Unsere vorrangige Verantwortung besteht jedoch darin, zu fragen: Was meint Jehova Gott damit? Außerdem betrachten wir weitere Schriftstellen. Ein Problem vieler Menschen beim Lesen der Bibel besteht darin, dass sie einen einzelnen Vers herausgreifen und annehmen, er bedeute etwas, ohne den Zusammenhang oder andere Schriftstellen zu berücksichtigen. Nach unserem Verständnis hat Jehova gesagt, dass Kinder in einer liebevollen Umgebung aufwachsen sollen. Jesus ist in einer solchen Umgebung aufgewachsen.

193 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Ich habe Sie allerdings zu der Art geführt, wie Ihre eigene Kirche die biblischen Verweise miteinander verknüpft, und diese führen, wie wir gesehen haben, zu den Sprüchen zurück. Richtig?

194 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist richtig.

195 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Was Sie uns erläutert haben, ist jedoch das heutige Verständnis Ihrer Kirche davon, wie dieser Text in der gegenwärtigen Gesellschaft anzuwenden ist. Ist das richtig?

196 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist eine gute Frage. Selbstverständlich kann ich nur darüber sprechen, was wir heute darunter verstehen. Ich würde jedoch argumentieren, dass Gott selbst in alter Zeit nicht beabsichtigte, Kinder auf brutale Weise zu schlagen.

197 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Akzeptiert Ihre Kirche die körperliche Züchtigung von Kindern?

198 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Unsere Kirche akzeptiert die familiäre Ordnung und erwartet, dass Eltern die Verantwortung dafür tragen, ihre Kinder zu disziplinieren und zu erziehen.

199 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Das beantwortet meine Frage nicht. Akzeptieren Sie körperliche Züchtigung?

200 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ich verstehe. Ich denke, Sie werden in unseren Veröffentlichungen immer wieder sehen, dass wir uns bemüht haben zu erklären, dass mit „Zucht“ hier eher eine erzieherische Einwirkung auf den Geist gemeint ist und keine körperliche Züchtigung.

201 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Ich muss Ihnen sagen: Sie beantworten meine Frage noch immer nicht.

202 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Oh, entschuldigen Sie.

203 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Akzeptieren Sie körperliche Züchtigung?

204 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Nein.

205 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Sie akzeptieren sie nicht?

206 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Nicht – nicht persönlich, nein; und auch als Organisation fördern wir sie nicht.

207 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Aber verbieten Sie sie?

208 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
In unseren Veröffentlichungen wurde darauf hingewiesen, dass Kinder richtig diszipliniert werden, indem man sie erzieht, nicht indem man sie körperlich züchtigt. Euer Ehren, ich kann Ihnen nur die Grundhaltung vermitteln, die unseren Veröffentlichungen zugrunde liegt.

209 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Ihnen ist gewiss bekannt, dass ein Problem für Betroffene, das gerade durch ihre Aussagen in dieser Anhörung deutlich geworden ist, darin besteht, sich an Männer innerhalb der Kirche wenden, ihnen ihre Geschichte erzählen und diese anschließend ausschließlich von Männern beurteilen und bewertet sehen zu müssen. Verstehen Sie das?

210 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, das verstehe ich, Euer Ehren.

211 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
In der Gesellschaft, in der Sie und ich leben, hat sich die Rolle von Frauen bei gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen und in der Regierung erheblich verändert, auch wenn diese Entwicklung vielleicht noch nicht abgeschlossen ist. Nicht wahr?

212 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das hat sie zweifellos.

213 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Darin spiegelt sich ein heutiges Verständnis der Rolle und des Beitrags wider, den jeder Mensch in unserer Gesellschaft zum Gemeinwohl leisten kann. Nicht wahr?

214 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja.

215 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Ihnen sind gewiss auch die Bedenken bekannt, die Frauen in dieser Anhörung geäußert haben: Sie empfanden es als konfrontativ und schwierig, sich an eine von Männern dominierte Struktur wenden zu müssen. Verstehen Sie das?

216 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, das verstehe ich, Euer Ehren.

217 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Besteht für die Kirche die Möglichkeit, das zu ändern?

218 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist eine sehr gute Frage, und ich bin froh, dass Sie sie gestellt haben. Besteht die Möglichkeit, Frauen zu Ältesten zu machen? Nein. In dieser Hinsicht gibt es keinen Spielraum. Aber, Euer Ehren –

219 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Warum ist das so? Können Sie mir das erklären?

220 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Gewiss, ja. Wenn wir aufschlagen –

221 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Liegt es an einer wörtlichen Anwendung der Bibel?

222 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Euer Ehren, das geht auf das Grundthema der Schriften zurück, von der Erschaffung Adams über die israelitische Zeit bis in die christliche Ära. Darf ich hierzu fairerweise noch etwas sagen?

223 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Selbstverständlich.

224 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Die Rolle der Frauen in der Religion der Zeugen Jehovas ist eine sehr würdevolle. Wir machen Frauen nicht – nun, wir wollen ganz gewiss nicht, dass Frauen sich als Menschen zweiter Klasse fühlen. In Gottes Augen sind Männer und Frauen gleich. Aber selbst Menschen, die Flugzeuge fliegen, wissen, dass man ein Flugzeug nicht durch ein Komitee steuern kann – es muss einen Piloten und einen Kopiloten geben. Das ist die biblische Ordnung. Sie beruht nicht auf einem Mangel an Intelligenz oder Fähigkeiten bei Frauen; es ist eine Ordnung, die sich im Laufe der Zeit bewährt hat. Innerhalb dieser Ordnung sagt die Bibel eindeutig, dass ein Mann keine uneingeschränkte Autorität über eine Frau besitzt und dass eine Frau eine Mitarbeiterin, eine Ergänzung ist – so bezeichnet die Bibel sie. Um zu verstehen, wie Frauen bei Jehovas Zeugen behandelt werden, müssten Sie dies meines Erachtens näher untersuchen. Dann würden Sie feststellen, dass es innerhalb der ehelichen Ordnung sehr viele glückliche Frauen gibt.

225 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Früher waren alle unsere Piloten Frauen [sic], nicht wahr? Und das haben wir geändert.

226 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Alle unsere Piloten waren …?

227 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Männer?

228 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Alles Männer?

229 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Ja, richtig?

230 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Oh, sie waren Männer, ja.

231 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Sie waren Männer. Heute haben wir das geändert, und es gibt auch Pilotinnen.

232 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist richtig. Und zwar deshalb –

233 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Warum könnte die Kirche nicht akzeptieren, dass Frauen an Entscheidungsprozessen mitwirken können, insbesondere bei Vorwürfen sexuellen Missbrauchs, die von Frauen erhoben werden?

234 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Die Antwort lautet, Euer Ehren, dass wir erwarten, dass Frauen dabei einbezogen werden. Für die eigentliche Funktion eines Ältesten in der Christenversammlung besteht jedoch ein sehr klar festgelegter Maßstab. Nach dem Glauben der Zeugen Jehovas gibt es hierbei überhaupt keinen Spielraum. Ich möchte jedoch darauf hinweisen, dass sich einige der von Ihnen geprüften Berichte auf Vorgänge vor 25 Jahren beziehen. Soweit ich die Aussagen vor der Kommission in den vergangenen Tagen richtig verstanden habe, hat Herr Spinks sehr zutreffend beschrieben, dass bei Jehovas Zeugen inzwischen ein stärkeres Bewusstsein dafür besteht, sicherzustellen, dass ein Opfer eines schrecklichen Verbrechens nicht tatsächlich vor drei Männern erscheinen muss. Wir haben Änderungen vorgenommen, Euer Ehren, weil Änderungen an den technischen Einzelheiten der Richtlinien die biblischen Grundsätze nicht verändern und von ihnen nicht berührt werden – abgesehen von dem äußerst wichtigen Grundsatz, Liebe, Einfühlungsvermögen und Fürsorge zu zeigen und jede weitere Traumatisierung möglichst zu vermeiden. Das ist unser Bestreben. Wenn es früher nicht vollkommen war – und das war es nicht –, haben wir versucht, es zu ändern. Und wir werden weitere Änderungen vornehmen, wenn wir die Empfehlungen der Kommission geprüft haben.

235 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Auf Ihre Verfahren werden wir später zurückkommen. Vorerst übergebe ich wieder an Herrn Stewart.

Fortsetzung der Befragung durch Angus Stewart SC

236 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Danke, Euer Ehren.

237 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Noch einmal zu Ihrem letzten Punkt, Herr Jackson: Wenn eine von sexuellem Missbrauch betroffene Person den Vorwurf unmittelbar gegenüber dem Beschuldigten erheben soll – stimmen Sie zu, dass sie unter diesen Umständen gezwungen sein sollte, den Vorwurf in Gegenwart des Beschuldigten vorzubringen?

238 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ich stimme zu, dass es besser wäre, wenn sie das nicht tun müsste, es sei denn, das Opfer selbst möchte es.

239 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Ja. Deshalb habe ich meine Frage so formuliert. Ich wiederhole sie: Stimmen Sie zu, dass die betroffene Person unter diesen Umständen den Vorwurf in Gegenwart des Beschuldigten erheben müssen sollte?

240 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Entschuldigen Sie, ich verstehe Ihre Frage nicht. Könnten Sie sie anders formulieren?

241 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Stimmen Sie zu, dass es keine Umstände gibt, unter denen eine von einem sexuellen Übergriff betroffene Person gezwungen sein sollte, ihren Vorwurf in Gegenwart der Person zu erheben, die sie beschuldigt, sie angegriffen zu haben?

242 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Dem stimme ich zu.

243 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Und nach meinem Verständnis sagen Sie, dass dies nach Ihrer Kenntnis von Ihren Regeln nicht verlangt wird – mit anderen Worten: Ihre Regeln schreiben nicht vor, dass eine von einem sexuellen Übergriff betroffene Person ihren Vorwurf in Gegenwart der Person erheben muss, die sie beschuldigt, sie angegriffen zu haben?

244 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Soweit ich Ihre Frage richtig verstehe und nach dem, was ich aus Herrn Spinks’ Aussage gehört habe, verlangen wir das heute nicht. Ich schicke voraus, dass dies nicht das Fachgebiet ist, mit dem ich täglich arbeite. Herr Spinks und diejenigen, die in der Dienstabteilung tätig sind, befassen sich mit diesen Angelegenheiten; aber das ist mein Verständnis.

245 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Akzeptieren Sie dann, dass dies in Ihren Dokumenten, Handbüchern und Anweisungen eindeutig klargestellt werden sollte – also dass eine von einem sexuellen Übergriff betroffene Person ihren Vorwurf nicht in Gegenwart der Person erheben müssen sollte, die sie beschuldigt, sie angegriffen zu haben?

246 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Unbedingt.

247 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Herr Jackson, kann ein Zweigkomitee eigene Handbücher und Richtlinien für Rechtskomiteeverfahren bei Vorwürfen sexuellen Kindesmissbrauchs veröffentlichen?

248 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ich hielte es für ungewöhnlich, wenn das geschähe. Da dies nicht unmittelbar mein Fachgebiet ist, könnte ich Ihnen dazu keine umfassende Antwort geben. Nach dem allgemeinen Grundsatz würde ich jedoch erwarten, dass das Zweigkomitee sich an das Dienstkomitee wendet.

249 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Aus den uns vorliegenden Dokumenten, die diesen Bereich derzeit regeln, ergibt sich, dass sie unter der Schirmherrschaft oder mit Genehmigung der Leitenden Körperschaft entstanden sind. Ich beziehe mich also auf –

250 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das –

251 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Entschuldigung, Herr Jackson?

252 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Entschuldigen Sie. Mein Fehler.

253 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Ich beziehe mich auf „Organisiert, Jehovas Willen zu tun“, „Hütet die Herde Gottes“ und die Richtlinien, die für die Zweigkomitees veröffentlicht werden.

254 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Danke. Das war eine recht lange Frage. Soweit ich sie richtig verstanden habe, würden wir erwarten, dass der allgemeine Rahmen unserer Vorgehensweise in einer von der Leitenden Körperschaft genehmigten Form veröffentlicht wird. Wenn wir jedoch von „veröffentlicht“ sprechen, geben die örtlichen Zweige auch Schreiben heraus, in denen auf Abweichungen hingewiesen wird, die bei diesen Richtlinien möglicherweise erforderlich sind. Deshalb zögerte ich, dies als ausnahmslos zu bezeichnen.

255 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Angenommen, der australische Zweig entschiede beispielsweise, dass die der Einsetzung eines Rechtskomitees vorausgehende Untersuchung nicht von zwei Ältesten vorgenommen werden müsse, sondern in Australien auch von einer Frau durchgeführt werden könne, die in deren Auftrag handelt: Könnte das australische Komitee ein solches Verfahren anwenden oder beschließen?

256 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Herr Stewart, ich würde ganz bestimmt hoffen, dass sich das australische Zweigkomitee mit den Gründen, aus denen dies erforderlich ist, an das Dienstkomitee wendet. Schließlich würde ich hoffen, dass die Angelegenheit der Leitenden Körperschaft vorgelegt wird, damit wir notwendige Änderungen weltweit genehmigen können.

257 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Es kann jedoch sein, dass das Zweigkomitee in Australien diese Fragen anders beurteilt als das Zweigkomitee eines anderen Landes. Nehmen wir ein nahegelegenes Land, etwa Neuseeland – oder auch ein weiter entferntes, beispielsweise die Philippinen. Besteht Raum dafür, dass Zweigkomitees in verschiedenen Teilen der Welt unterschiedliche Untersuchungsverfahren anwenden?

258 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Die Antwort auf Ihre Frage lautet: Ja, das ist möglich. Wenn der Grund hierfür jedoch darin besteht, eine Traumatisierung zu vermeiden, dann ist dies etwas, woran die Leitende Körperschaft interessiert ist. Wir möchten sehen, wie wir alle Länder dazu ermutigen können, eine solche Traumatisierung zu vermeiden. Handelt es sich dagegen um eine technische Frage, aufgrund derer sie auf bestimmte Weise vorgehen müssen, dann würden wir erwarten, dass sie uns zumindest benachrichtigen; und dann kann es Unterschiede geben.

259 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Herr Jackson, gibt es irgendein biblisches Hindernis dafür, eine Frau mit der Untersuchung eines Vorwurfs zu beauftragen?

260 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Es gibt kein biblisches Hindernis dagegen, eine Frau an der Untersuchung zu beteiligen. Tatsächlich denke ich – oh, entschuldigen Sie. Verzeihung, Euer Ehren.

261 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Nein, sprechen Sie weiter.

262 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ich denke, darin liegt einer der Vorteile der Royal Commission: Sie hat deutlich gemacht, dass es gewiss sinnvoll ist, gerade bei bestimmten sensiblen Bereichen eine Frau einzubeziehen. Ich möchte jedoch erwähnen, dass viele unserer Veröffentlichungen einen sehr weiten Anwendungsbereich haben. Es geht nicht nur um diesen einen Bereich des Kindesmissbrauchs, der ein schreckliches Verbrechen darstellt. Dieselben Grundsätze werden auch bei anderen Sünden angewandt, etwa Trunkenheit und anderen Dingen, die in der Bibel erwähnt werden. Aber in diesem sensiblen Bereich hat die Kommission meines Erachtens eindeutig gezeigt, dass es gut wäre, Frauen einzubeziehen.

263 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Gibt es irgendein biblisches Hindernis dafür, dass eine richterliche Feststellung von einem Gremium getroffen wird, dem auch Frauen angehören, selbst wenn anschließend die Ältesten darüber entscheiden, was mit einer Person geschieht, nachdem über die Wahrheit oder Unwahrheit eines Vorwurfs entschieden worden ist?

264 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist eine gute Frage. Darf ich zunächst etwas erwähnen, Euer Ehren – bitte haben Sie einen Moment Geduld mit mir. Das von Jehovas Zeugen angewandte Rechtssystem steht nicht in Konkurrenz zum staatlichen Strafrechtssystem. Wir respektieren dieses und sind der Auffassung, dass die Gesellschaft davon Gebrauch machen muss. Außerdem möchte ich hervorheben, dass ein Opfer nicht als jemand betrachtet wird, der vor einem Rechtskomitee erscheinen müsste. Das Opfer hat nichts falsch gemacht. Es ist die geschädigte Person und braucht Hilfe. Um Ihre Frage nun unmittelbar zu beantworten: Frauen können in diesem sehr sensiblen Bereich einbezogen werden. Aus biblischer Sicht liegt die Funktion der Richter in der Versammlung jedoch bei Männern. Das sagt die Bibel, und dem bemühen wir uns zu folgen.

265 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Können Sie mir die entsprechende Bibelstelle nennen?

266 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja. In den Schriften –

267 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Ich meine die Aussage, dass ausschließlich Männer Richter sein dürfen – nicht Älteste, sondern Richter?

268 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
In Ordnung. Ich müsste das überprüfen – ich glaube, im 5. Buch Mose findet sich eine dieser Stellen. Was jedoch 1. Timotheus, Kapitel 3, angeht – und ich bin sicher, Euer Ehren, dass Sie damit sehr vertraut sind –, heißt es in Vers 1: „Diese Aussage ist zuverlässig: Wenn ein Mann nach dem Amt eines Aufsehers strebt, begehrt er eine vortreffliche Tätigkeit. Der Aufseher soll daher untadelig sein, Mann einer einzigen Frau, maßvoll in seinen Gewohnheiten, gesunden Sinnes, ordentlich, gastfreundlich, lehrfähig, kein Trunkenbold, nicht gewalttätig, sondern vernünftig, nicht streitsüchtig, kein Geldliebhaber, ein Mann, der seinem eigenen Haushalt auf vortreffliche Weise vorsteht und seine Kinder mit allem Ernst in Unterordnung hält.“ In biblischer Zeit wurde derselbe Ausdruck sowohl für einen „Ältesten“ als auch für einen „älteren Mann“ gebraucht. Beim Übersetzen – das ist ja mein Fachgebiet – ist es manchmal schwierig zu entscheiden, ob eine Amtsstellung als Ältester oder lediglich ein älterer Mann gemeint ist. Wenn jedoch von Richtern an den Toren Israels die Rede ist, handelt es sich eindeutig um ältere Männer. Ich entschuldige mich, Euer Ehren: Da Sie diese Frage gestellt haben, kann ich Ihnen die genaue Bibelstelle im Moment nicht nennen, reiche sie aber gern nach.

269 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Das würden wir begrüßen. Eine denkbare Änderung zur Lösung des Problems, dass Frauen nicht als Richterinnen über Vorwürfe entscheiden, die von Frauen gegen Männer erhoben werden, könnte darin bestehen, Frauen an dem Schritt der richterlichen Feststellung zu beteiligen. Verstehen Sie?

270 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, das verstehe ich, Euer Ehren. Wir werden dafür sorgen, dass Sie diese Bibelstellen erhalten.

271 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Können Sie nachvollziehen, wie sich eine Frau, eine junge Frau – überhaupt jede Frau – fühlen könnte, wenn ihre Vorwürfe, von einem Mann sexuell angegriffen worden zu sein, ausschließlich von Männern beurteilt werden?

272 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Im Zusammenhang mit einer Polizeidienststelle kann ich das verstehen, Euer Ehren. Darf ich jedoch bitte auch erwähnen, dass diese Ältesten Freunde der Menschen in der Versammlung sind? Ihre Aufgabe besteht darin, sie zu hüten, ihnen zu helfen und für sie zu sorgen. Eine junge Person mag sich vielleicht so fühlen; wir würden jedoch innerhalb der biblischen Vorgaben alles tun, um diese Belastung zu mindern und zu verhindern, dass jemand in eine derart schwierige Lage gebracht wird. Letztlich würde die Entscheidung möglicherweise ohne Anwesenheit dieser Person getroffen. Dabei geht es nicht um die strafrechtliche Verantwortlichkeit – dafür ist das Strafrechtssystem zuständig. Die Entscheidung betrifft die geistige Reinheit unserer Versammlung und die Wiederherstellung derjenigen, die Sünden begehen.

273 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Damit konzentrieren Sie sich auf den Täter. Ich spreche jedoch von der Lage der missbrauchten Person. Verstehen Sie?

274 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, das verstehe ich, Euer Ehren, und die Frauen –

275 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Alles, was Sie gerade gesagt haben, betrachtet die Sache lediglich aus einer Perspektive. Erkennen Sie das?

276 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Mhm. Aus der anderen Perspektive, also aus Sicht des Opfers, besteht unsere wichtigste Aufgabe darin, zu helfen, zu unterstützen und Orientierung zu geben; daran werden auch Frauen beteiligt. Das Rechtskomitee urteilt nicht über das Opfer. Die Ältesten und die Frauen in der Versammlung sind verpflichtet, jedes Opfer umfassend zu unterstützen.

277 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Das mag so sein. Ich wollte von Ihnen jedoch wissen, ob Sie nachvollziehen können, wie sich eine Frau fühlt, wenn die von ihr gegen einen Mann in der Versammlung erhobenen Vorwürfe ausschließlich von Männern geprüft und beurteilt werden.

278 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Natürlich bin ich keine Frau und möchte daher nicht für Frauen sprechen. Ich bin jedoch sicher, dass wir beide aufgrund dessen, was geäußert wurde, verstehen können und glauben, dass dabei möglicherweise Hemmungen bestehen.

279 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Darf ich die Frage ergänzen, weil sie eine der tatsächlichen Konstellationen betrifft, mit denen wir in dieser Anhörung konfrontiert sind: Können Sie die Lage einer Frau nachvollziehen, die einen Vorwurf gegen einen Ältesten erhebt, der mit den anderen Männern befreundet ist, welche über die Wahrheit oder Unwahrheit des Vorwurfs entscheiden müssen? Können Sie verstehen, wie sich diese Person fühlen muss?

280 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ich kann versuchen, es zu verstehen, Euer Ehren, ja. Darf ich jedoch noch einmal fragen – auch dies ist nicht mein Tätigkeitsgebiet –, soweit ich weiß, verfügen wir über ein Verfahren, nach dem in einem solchen Fall eine neutrale Person, etwa ein Kreisaufseher, einbezogen wird.

281 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Es wäre doch so, dass selbst ein Kreisaufseher einen Ältesten gut kennen wird, nicht wahr?

282 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Er sollte ihn kennen, aber er kennt auch das Opfer gut. Dabei darf man die geistige Verantwortung nicht außer Betracht lassen. Diese Ältesten werden für ihre Tätigkeit nicht bezahlt. Sie tun sie aus Liebe und Fürsorge und weil sie die Herde hüten wollen. Meines Erachtens fehlt bei der Betrachtung der gesamten Angelegenheit das geistige Element: Die Menschen fühlen sich im Umgang miteinander wohl.

283 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Ich weiß nicht, ob Sie die Aussagen der Betroffenen hier gehört haben. Haben Sie diese Aussagen gehört?

284 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Nein. Leider fiel das in eine schwierige Zeit, in der ich meinen Vater betreute. Ich entschuldige mich dafür, werde aber gern eine Zusammenfassung davon anhören.

285 · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Ja, Herr Stewart.

286 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Herr Jackson, die Ältesten, die sich diese Vorwürfe anhören, müssen unter anderem die Glaubwürdigkeit der Person beurteilen, die erklärt, missbraucht worden zu sein. Ist das nicht richtig?

287 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, ebenso wie ein Staatsanwalt die ihm vorliegenden Beweise prüfen würde, bevor er ein Verfahren einleitet.

288 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Vielleicht weniger der Staatsanwalt; möglicherweise denken Sie eher an den Richter?

289 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Entschuldigung, nein. Soweit ich es richtig verstehe – damit bewege ich mich weit außerhalb meines Fachgebiets, denn ich bin kein Jurist –, dachte ich, dass bei jedem Fall, der der Polizei gemeldet und der Staatsanwaltschaft vorgelegt wird, zumindest festgestellt werden muss, ob ein gewisser Anfangsverdacht besteht. Vielleicht ist das in Australien nicht so.

290 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Der Punkt ist doch folgender, Herr Jackson: Sie haben meines Erachtens erkannt, dass ein älterer Mann möglicherweise Schwierigkeiten hat zu verstehen, wie sich beispielsweise eine junge Frau fühlt, wenn sie einen Vorwurf sexuellen Kindesmissbrauchs erheben muss.

291 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist richtig. Zugleich könnte aber auch eine Frau, die das Trauma dieser Opfer nie selbst erlebt hat, große Schwierigkeiten haben, dies nachzuvollziehen, weil es eine so persönliche Erfahrung ist.

292 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Sie werden mir aber gewiss zustimmen, dass sich eine Frau oder junge Frau in vielen Fällen wesentlich wohler fühlen würde, wenn sie den Vorwurf und die Umstände einer anderen Frau schildern könnte?

293 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Dazu möchte ich keine eindeutige Einschätzung abgeben, Herr Stewart, denn damit würden erneut die Beziehungen innerhalb unserer Versammlungen außer Betracht gelassen. Es ist nicht wie in Ihren Kirchen, in denen die Menschen lediglich zum Gottesdienst gehen und nicht miteinander sprechen. Die Menschen in den Versammlungen lernen einander kennen, und es können Freundschaften entstehen. Ich stimme jedoch dem Anliegen Ihrer Frage zu: Wir müssen wissen, womit sich das Opfer wohlfühlt und mit wem es sprechen möchte.

294 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Sie haben 1. Timotheus, Kapitel 3, Vers 1 angeführt. Nach meinem Verständnis ist dies die biblische Grundlage für den Grundsatz, dass ein dort so bezeichneter Aufseher – in heutiger Sprache wohl ein Ältester – ein Mann sein muss. Ist das richtig?

295 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist richtig.

296 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Gibt es eine Bibelstelle – vielleicht ist dies diejenige, die Sie uns noch nachreichen wollten –, nach der die Untersuchung von Vorwürfen schweren Fehlverhaltens von einem Ältesten durchgeführt werden muss?

297 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Darf ich Ihre Frage etwas präzisieren, Herr Stewart? Sie haben bei der Kommission meines Erachtens gehört, dass Frauen in all den verschiedenen Schritten einbezogen werden können, die der eigentlichen Entscheidung darüber vorausgehen, ob jemand geistig geeignet ist, in der Versammlung zu verbleiben. Nur bei diesem einen Teil, dem eigentlichen Rechtskomitee, gehen wir davon aus, dass Männer beteiligt sein müssen.

298 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Herr Jackson, genau diese Frage habe ich Ihnen gestellt. Ich möchte wissen, ob eine Struktur denkbar wäre, bei der die rechtliche Feststellung, ob der Vorwurf wahr ist, von einem Gremium getroffen wird, dem auch Frauen angehören können, und dessen Entscheidung anschließend den Ältesten vorgelegt wird, damit diese über einen Gemeinschaftsentzug entscheiden. Verstehen Sie?

299 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, das verstehe ich, Euer Ehren.

300 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Wäre es möglich, eine solche Änderung vorzunehmen?

301 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Es ist möglich, sicherzustellen, dass die Ältesten die gesamte Geschichte vollständig kennen. Dass Frauen Älteste in der Versammlung werden, ist jedoch nicht möglich.

302 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Nein, Herr Jackson, danach habe ich Sie nicht gefragt. Ich habe Sie gebeten –

303 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
In Ordnung, entschuldigen Sie.

304 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
– zu erwägen, ob das Verfahren eine Feststellung umfassen könnte, die wir außerhalb Ihrer Kirche als richterliche Feststellung bezeichnen würden – also die Entscheidung, ob der Vorwurf wahr oder falsch ist. Nachdem diese Entscheidung getroffen wurde, würden die Ältesten dann über die Konsequenz entscheiden, also über einen Gemeinschaftsentzug oder eine andere Maßnahme. Verstehen Sie?

305 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, das verstehe ich.

306 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Könnten Frauen an der Entscheidung beteiligt werden, ob der Vorwurf wahr ist?

307 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Nun, Euer Ehren, ich denke, sie sind bereits beteiligt, insofern –

308 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Nicht an der Entscheidung, Herr Jackson. Bitte beantworten Sie meine Frage.

309 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
In Ordnung. Aber ja, nun – darf ich bitte ein Beispiel verwenden? Wenn ein minderjähriges Kind sagt, dass etwas geschehen sei, und zwei Frauen dabei helfen, diese Person zu unterstützen, müssen diese Frauen doch zwangsläufig beurteilen, ob die Tatsachen wahr sind. Anschließend legen sie diese den Ältesten vor. Wie sollten die Ältesten sonst erfahren, was tatsächlich geschehen ist?

310 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Herr Jackson, Sie beantworten meine Frage nicht.

311 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Es tut mir leid. Ich entschuldige mich ausdrücklich, Euer Ehren.

312 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Soll ich die Frage noch einmal stellen?

313 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, bitte.

314 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
In Ihrem gegenwärtigen Verfahren treffen die Ältesten eine richterliche Feststellung. An diesem Punkt wird entschieden, ob der Vorwurf wahr oder falsch ist. Verstehen Sie das?

315 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Mhm.

316 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Verstehen Sie es?

317 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, das verstehe ich, Euer Ehren.

318 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Kann das Verfahren so geändert werden, dass diese Entscheidung von einem Gremium getroffen wird, dem auch Frauen angehören können – also die Entscheidung darüber, ob der Vorwurf wahr oder falsch ist –, und dass die Ältesten diese Entscheidung anschließend zugrunde legen, um über einen Gemeinschaftsentzug zu entscheiden? Verstehen Sie?

319 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, das verstehe ich. Ich entschuldige mich, Euer Ehren, dass ich nicht unmittelbar geantwortet habe. Ich hatte nicht vollständig verstanden, was Sie meinten. Die Antwort lautet: Eine solche Möglichkeit wäre es wert, von uns geprüft, näher untersucht und anhand der Schriften bewertet zu werden. Ja, die Möglichkeit, dies zu erwägen, besteht.

320 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Danke.

3. Rechtskomitees, Meldepflicht und Zwei-Zeugen-Regel

321 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Danke, und ich entschuldige mich noch einmal.

322 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Herr Jackson, ich möchte Sie auf „Hütet die Herde Gottes“ verweisen, Register 120, Seite 71, Ringtail-Seite 72. Dies ist das Handbuch für Älteste und gilt meines Wissens seit 2010. Ist das richtig?

323 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist – ja. Das scheint der Fall zu sein.

324 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Ist dieses Handbuch durch die Verfahren des Schreibkomitees gegangen?

325 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Dieses Handbuch dürfte mit Unterstützung der Dienstabteilungen erstellt worden sein. Das Dienstkomitee hätte die Informationen ausgearbeitet, und ja, das Schreibkomitee hätte alles lesen und prüfen müssen, ob es mit den Schriften vereinbar ist.

326 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Ich zeige Ihnen Seite 71. Sie gehört zu Kapitel 5 mit der Überschrift „Feststellen, ob ein Rechtskomitee gebildet werden sollte“. Zu Beginn werden verschiedene schwere Verfehlungen aufgeführt, unter anderem Totschlag, versuchter Suizid, Porneia und weitere. Das ist also der Zusammenhang. In Absatz 37 heißt es: „Auch wenn einem Christen eine Verfehlung vorgeworfen wird, die schwerwiegend genug ist, um ein Rechtsverfahren erforderlich zu machen, sollte kein Rechtskomitee gebildet werden, solange die Verfehlung nicht festgestellt worden ist.“ Das Wort „festgestellt“ ist kursiv gesetzt. Meine Frage lautet daher: Wer entscheidet, ob die Verfehlung festgestellt worden ist?

327 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Nach meinem Verständnis würden normalerweise zwei Älteste die Angelegenheit untersuchen, um festzustellen, ob der Vorwurf eine gewisse Substanz hat. Wie Sie erwähnt haben, kann es sich dabei um alles Mögliche handeln – von Trunkenheit bis zu sexueller Unmoral und weiteren Dingen. Diese beiden Ältesten würden also zumindest prüfen, ob es eine Grundlage für den Vorwurf gibt, und anschließend der Ältestenschaft berichten. Diese würde dann das Rechtskomitee einsetzen.

328 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Ist es demnach aus biblischer Sicht erforderlich, dass diese Aufgabe von zwei Ältesten wahrgenommen wird, und nicht beispielsweise von einer Frau, die in ihrem Auftrag handelt?

329 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Darf ich fragen, Herr Stewart: Ist das dieselbe Frage, die Euer Ehren gestellt hat, oder gibt es einen Unterschied? Möchten Sie den Punkt lediglich noch einmal betonen?

330 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Ich versuche, Ihre Antwort zu verstehen, Herr Jackson. Bitte beantworten Sie daher meine Frage. Ich habe versucht, eine ganz konkrete Entscheidung innerhalb des Verfahrens herauszugreifen: die Entscheidung, ob die Verfehlung festgestellt worden ist. Sie haben gesagt, dies werde von zwei Ältesten entschieden, die anschließend der Ältestenschaft berichten, welche dann ein Rechtskomitee einsetzt. Ich frage Sie daher: Besteht aus biblischer Sicht die Möglichkeit, dass jemand anderes als Älteste darüber entscheidet, ob die Verfehlung festgestellt worden ist?

331 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Gut, jetzt verstehe ich Ihre Frage, Herr Stewart. Nehmen wir den Fall, dass die beiden Ältesten nicht mit dem Opfer sprechen können, weil sie es möglicherweise nicht weiter traumatisieren wollen, und dass vielleicht zwei Frauen, die dem Opfer sehr nahestehen, mit ihm sprechen können. In einer solchen Situation hätten die Ältesten lediglich die Aussagen dieser beiden Frauen über die Aussage des Opfers. Auf diese Weise teilen die Frauen mit, ob sie den Fall für glaubhaft halten. Die Antwort auf Ihre Frage lautet daher: Ja, Frauen können aus biblischer Sicht beteiligt werden.

332 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Aber Sie wissen, Herr Jackson, dass meine Frage nichts mit einer bloßen Beteiligung zu tun hatte. Es ging darum, wer die Entscheidung trifft. Auch die Person, die den Tee zubereitet und ihn während der Beratung hereinbringt, ist in gewisser Weise beteiligt. Ich spreche nicht von Beteiligung, sondern davon, wer entscheidet. Soll ich Ihre Aussage so verstehen, dass die Entscheidung von Ältesten getroffen werden muss?

333 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist mein Verständnis.

334 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Können Sie hierfür eine Bibelstelle nennen – also eine Stelle, aus der sich ergibt, dass dies zwingend so sein muss?

335 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Der Grundsatz, über den wir bereits gesprochen haben, ist das in 1. Korinther, Kapitel 11, enthaltene Leitungsprinzip. Ich bin sicher, Herr Stewart, dass Sie sich bei der Kommission schon darauf bezogen haben; haben Sie bitte einen Moment Geduld, während ich die Stelle aufschlage. 1. Korinther, Kapitel 11, Vers 3 – haben Sie sie bereits vor sich?

336 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Dieses Mal wäre ich Ihnen für die Seitenzahl dankbar, Herr Jackson.

337 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
In Ordnung. Seite 1536.

338 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Ich habe sie.

339 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Kapitel 11, Vers 3: „Ich möchte aber, dass ihr wisst: Das Haupt jedes Mannes ist der Christus; das Haupt einer Frau wiederum ist der Mann; das Haupt des Christus wiederum ist Gott.“ Die Entscheidungsordnung in der Kirche beruht also auf demselben Leitungsprinzip, das wir in der Familie und in der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas insgesamt haben: Aus biblischer Sicht treffen die Männer die endgültigen Entscheidungen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Frauen keinerlei Beiträge leisten.

340 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Danke, Herr Jackson. Da Sie gerade im 1. Korintherbrief sind, sehen Sie sich bitte 1. Korinther 14, Verse 33 bis 35, an.

341 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ich habe die Stelle bereits vor mir, ja.

342 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Dort heißt es: „Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens. Wie in allen Versammlungen der Heiligen sollen die Frauen in den Versammlungen schweigen, denn es ist ihnen nicht gestattet zu sprechen. Vielmehr sollen sie in Unterordnung sein, wie auch das Gesetz sagt. Wenn sie etwas lernen wollen, sollen sie zu Hause ihre Männer fragen, denn es ist eine Schande für eine Frau, in der Versammlung zu sprechen.“ Soweit ich weiß, wird dies in der Organisation der Zeugen Jehovas nicht entsprechend angewandt – mit anderen Worten: Sie erlauben Frauen durchaus, in der Versammlung zu sprechen?

343 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Entschuldigung, darin liegen zwei Fragen. Darf ich zunächst die erste beantworten? Jehovas Zeugen halten sich an das, was hier steht; ich kann das erklären. Die Antwort auf die zweite Frage lautet: Ja, Frauen dürfen in der Versammlung sprechen. Darf ich Ihnen erläutern, weshalb ich der Ansicht bin, dass wir uns an diese Passage halten?

344 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Ja, selbstverständlich.

345 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
In Vers 34 steht „schweigen“. Wenn Sie jedoch Vers 28 betrachten, heißt es dort: „Wenn aber kein Übersetzer da ist, soll er schweigen.“ Der Ausdruck „schweigen“ wird dort also auf einen Mann bezogen. In Vers 30 geht es um Propheten, und dort heißt es: „Wenn aber ein anderer, der dasitzt, eine Offenbarung empfängt, soll der erste Sprecher schweigen.“ In diesem Kapitel geht es somit um geordnetes Verhalten bei kirchlichen beziehungsweise Versammlungszusammenkünften. Beginnt jemand in einer anderen Sprache zu sprechen, obwohl kein Übersetzer anwesend ist, sagt die Schrift nach Vers 28: „Er soll schweigen.“ Offenbar bestand in der Versammlung das Problem, dass einige Frauen diejenigen Männer, die beim Lehren die Führung übernahmen, herausforderten, mit ihnen stritten oder debattierten. Sie mögen diese Auslegung nicht teilen; das ist jedoch der Zusammenhang dieser Aussage. Kapitel 11 verweist zudem darauf, dass eine Frau mit Kopfbedeckung sprechen konnte. Eine völlig wörtliche Auslegung der Verse 34 und 35 ist deshalb meines Erachtens im Zusammenhang nicht angemessen.

346 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Können Sie allgemein erklären, wann Aussagen der Bibel wörtlich zu verstehen sind und wann ihnen – wie in diesem Fall – eine weitergehende Auslegung gegeben werden sollte?

347 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Sehr gut. Die Antwort lautet: Bei Jehovas Zeugen ist es nicht so, dass sieben Männer der Leitenden Körperschaft einen einzelnen Vers nehmen und einander fragen: „Was meinst du, was er bedeutet? Und was meinst du?“ Jehovas Zeugen versuchen, die Bibel sich selbst erklären zu lassen. Würden wir hier in 1. Korinther, Kapitel 14, davon ausgehen, dass eine Frau buchstäblich überhaupt nicht sprechen darf, entspräche dies nicht dem Zusammenhang. Die Antwort auf Ihre Frage lautet daher: Man muss das Gesamtbild betrachten. Jemand, der sein ganzes Leben lang die Bibel liest, sollte dieses Gesamtbild verstehen – das sage ich selbstverständlich mit allem gebotenen Respekt. Vielleicht helfen Ihnen hierzu zwei weitere Bibelstellen. Eine davon steht in 1. Timotheus, Kapitel 2 – ich glaube, Euer Ehren hat sich vor der Kommission bereits darauf bezogen –, Seite 1588. In den Versen 11 und 12 heißt es: „Eine Frau soll in Stille und mit voller Unterordnung lernen. Ich erlaube einer Frau nicht, zu lehren oder Autorität über einen Mann auszuüben, sondern sie soll still bleiben.“ Sie werden bemerken, dass das Sternchen als alternative Wiedergabe „ruhig bleiben, still bleiben“ angibt. Offensichtlich geht es also darum, dass Frauen nicht aufspringen und erregt mit anderen streiten sollen. Ähnlich äußert sich 1. Petrus – bitte haben Sie noch einen Moment Geduld –, Kapitel 3, über eine Frau, die mit einem Nichtchristen verheiratet ist. 1. Petrus, Kapitel 3, steht auf Seite 1623, Herr Stewart. Haben Sie die Stelle?

348 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Nein, aber ich bin sicher, Sie werden sie mir vorlesen, Herr Jackson.

349 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
In Ordnung. 1. Petrus, Kapitel 3, Vers 1: „Ebenso sollt ihr Frauen euren Männern untergeordnet sein, damit, wenn einige dem Wort nicht gehorchen, sie ohne ein Wort durch den Wandel ihrer Frauen gewonnen werden …“ Die Auffassung, „ohne ein Wort“ bedeute, dass diese Frauen nie, niemals, unter keinen Umständen mit ihrem Mann sprechen dürften, wäre eindeutig eine falsche Anwendung der Schrift. Wenn die Leitende Körperschaft solche Fragen prüft, ist sie daher sehr darauf bedacht, den gesamten Zusammenhang zu erfassen. Andernfalls ist es, als würde man zwei Menschen nach ihrer Meinung fragen und drei verschiedene Antworten erhalten. Greift jemand nur einen einzelnen Vers heraus, kann er alle möglichen Auffassungen daraus ableiten. Jehovas Zeugen bemühen sich, die gesamte Bibel als eine einheitliche Botschaft Gottes zu verstehen. Ich erwarte nicht, dass Sie dieselbe Auffassung teilen, danke Ihnen aber zumindest dafür, dass ich unsere Sichtweise erläutern durfte.

Meldung sexuellen Kindesmissbrauchs an staatliche Behörden

350 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Herr Jackson, lassen Sie uns dies anhand eines ganz konkreten Beispiels greifbarer machen. Sie wissen, dass sich in den vergangenen Wochen unter anderem gezeigt hat, dass in Australien innerhalb der Organisation der Zeugen Jehovas sexuelle Missbrauchsvorwürfe gegen Kinder grundsätzlich nicht den Behörden gemeldet werden, sofern keine gesetzliche Meldepflicht besteht. Akzeptieren Sie das?

351 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ich kenne weder die Statistiken noch die allgemeine Praxis. Ich kann Ihnen jedoch erklären, weshalb diese Frage zu einem geistigen Dilemma führt.

352 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Genau darauf zielt meine Frage. Bitte beantworten Sie sie konkret: Gibt es eine biblische Grundlage für die Richtlinie oder Praxis, Vorwürfe sexuellen Kindesmissbrauchs den Behörden nur dann zu melden, wenn dies gesetzlich vorgeschrieben ist?

353 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Danke für die Gelegenheit, dies zu erklären. Herr Toole hat meines Erachtens sehr deutlich darauf hingewiesen, dass es für uns erheblich einfacher wäre, wenn die australische Regierung in allen Bundesstaaten eine verbindliche Meldepflicht einführen würde. Das geistige Dilemma eines Ältesten besteht darin, zu berücksichtigen, auf welche Weise er die ihm mitgeteilten Informationen erhalten hat. Im Buch der Sprüche, Kapitel 25, findet sich ein biblischer Grundsatz – ich sage nicht, Herr Stewart, dass einer dieser Grundsätze zwangsläufig Vorrang hat; aber ein Ältester muss ihn berücksichtigen. Sprüche 25, Verse 8 bis 10, Seite 905: „Stürze dich nicht in einen Rechtsstreit, denn was wirst du später tun, wenn dein Mitmensch dich demütigt? Vertritt deinen Rechtsfall gegenüber deinem Mitmenschen, aber offenbare nicht, was dir vertraulich mitgeteilt wurde, damit der Zuhörer dich nicht beschämt und du einen schlechten Bericht verbreitest, der nicht mehr zurückgenommen werden kann.“ Ich sage nicht, Herr Stewart, dass dies der einzige Gesichtspunkt ist. Es ist jedoch ein Faktor, mit dem sich sämtliche Geistlichen bei einer solchen Angelegenheit auseinandersetzen müssen. Der zweite Punkt besteht darin, dass Ältesten nach 1. Petrus, Kapitel 5, Seite 1625, Verse 2 und 3, gesagt wird – haben Sie die Stelle, Herr Stewart?

354 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Ja.

355 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Dort heißt es: „Hütet die Herde Gottes, die eurer Obhut anvertraut ist, und dient als Aufseher, nicht unter Zwang, sondern freiwillig vor Gott; nicht aus Liebe zu unredlichem Gewinn, sondern eifrig“ – und nun kommt der entscheidende Punkt – „nicht als solche, die über Gottes Erbe herrschen, sondern indem ihr Vorbilder für die Herde werdet.“ Ein Ältester muss also ebenfalls bedenken, dass er nicht befugt ist, über eine familiäre Ordnung zu herrschen oder deren Kontrolle an sich zu ziehen. Eine Person – nehmen wir an, es handelt sich um ein 24 oder 25 Jahre altes Opfer – hat das Recht, selbst zu entscheiden, ob sie den Vorfall meldet. Auch die familiäre Ordnung wird respektiert, nach der der eingesetzte Sorgeberechtigte, sofern er nicht der Täter ist, bestimmte Rechte besitzt. Das ist das geistige Dilemma, vor dem wir stehen; zugleich möchten wir sicherstellen, dass Kinder geschützt werden. Sollte die Regierung eine Meldepflicht einführen, würde dies das Dilemma erheblich erleichtern, denn wir verfolgen alle dasselbe Ziel: Kinder sollen angemessen geschützt werden.

356 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Nehmen wir eine Familie, in der eines der Kinder – sagen wir das älteste – berichtet, vom Vater missbraucht worden zu sein.

357 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, entschuldigen Sie – war das eine Frage?

358 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Ja. Wird dieser Bericht als glaubhaft anerkannt, akzeptieren Sie dann, dass die übrigen Kinder der Familie weiterhin gefährdet sein können?

359 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist richtig.

360 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Wenn der Fall den Behörden nicht gemeldet wird, wird dann nicht die Vertraulichkeit gegenüber der Person, die den Vorwurf erhoben hat, als wichtiger behandelt als der Schutz der weiterhin gefährdeten Kinder?

361 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Nein, Herr Stewart. Ich möchte hervorheben, dass mehrere Faktoren es einem Geistlichen erschweren, in dieser Sache eine eindeutige oder schnelle Entscheidung zu treffen. Wie der Kommission meines Erachtens ebenfalls bereits erläutert wurde, sollten die Ältesten den Sorgeberechtigten des Kindes oder diejenige Person innerhalb der Familie, die nicht der Täter ist, dazu ermutigen, die Behörden zu benachrichtigen.

362 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Lassen wir eine zwingende gesetzliche Meldepflicht durch die staatlichen Behörden außer Betracht: Sehen Sie innerhalb der von Ihnen benannten biblischen Vorgaben die Möglichkeit, die Praxis der Zeugen Jehovas zu ändern? Könnte die Organisation also mit den Schriften vereinbar eine Richtlinie beschließen, nach der eine Meldung an die Behörden erfolgen muss, wenn weitere Personen gefährdet sind?

363 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das könnten wir in Betracht ziehen. Ich denke, schon jetzt wird davon ausgegangen, dass das Gewissen eines Ältesten ihn zu einer Meldung bewegen sollte, wenn er eine konkrete Gefahr erkennt. Mein Punkt war jedoch, Herr Stewart, dass andere biblische Gesichtspunkte die Angelegenheit möglicherweise etwas kompliziert machen. Eine gesetzliche Meldepflicht würde es für uns zweifellos erheblich einfacher machen.

Die Zwei-Zeugen-Regel und Indizienbeweise

364 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Kommen wir zu einem weiteren behandelten Thema, der sogenannten Zwei-Zeugen-Regel. Ihnen ist bekannt, dass bei fehlendem Geständnis entweder zwei Zeugen für eine schwere Verfehlung oder Zeugen für zwei ähnliche Fälle schwerer Verfehlungen erforderlich sind, damit genügend Beweise für die Einsetzung eines Rechtskomitees vorliegen. Verstehen Sie das?

365 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, das verstehe ich.

366 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Gibt es dafür eine biblische Grundlage?

367 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Für das Zeugnis zweier Zeugen? Ist das Ihre Frage, Herr Stewart?

368 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Richtig.

369 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Unbedingt. Ich möchte Sie auf Matthäus, Kapitel 18, Seite 1330, verweisen. Dort finden sich in Vers 16 die Worte unseres Herrn Jesus Christus. Es geht um eine rechtliche Situation: „Wenn er aber nicht hört, nimm noch einen oder zwei mit dir, damit jede Angelegenheit durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen bestätigt wird.“ Daraus – und ich könnte Ihnen mehrere weitere Bibelstellen nennen, möchte Ihre Geduld aber nicht mit all diesen Versen strapazieren – ergibt sich ein Grundthema, das sich durch die gesamten Christlichen Griechischen Schriften, das Neue Testament, zieht: Die Beweisregeln für eine gerichtliche Anhörung setzen zwei Zeugen voraus. Bitte gestatten Sie mir aber den Zusatz: Dabei geht es ausschließlich um die Einsetzung eines Rechtskomitees. Es bedeutet nicht, dass Jehovas Zeugen jemanden für vollständig und hundertprozentig makellos hielten, nur weil es für das Verbrechen lediglich einen Zeugen gab.

370 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Ich bin nicht sicher, was Sie mit „hundertprozentig makellos“ meinen. Die Realität ist doch: Gibt es bei sexuellem Kindesmissbrauch nur einen Zeugen, können die Ältesten die Sache nicht weiterverfolgen, und wie es in der Literatur heißt, wird sie in Jehovas Hände gelegt.

371 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, aber bei allem Respekt möchte ich Ihre Aussage korrigieren. Mit „makellos“ meine ich, dass es nicht so ist, als wäre jemand in einem Rechtsverfahren endgültig freigesprochen worden, sodass er wegen desselben Vorgangs nicht noch einmal vor ein Rechtskomitee gestellt werden könnte. In unserer Literatur wird gesagt – und dem stimmen wir zu –, dass Kinder bei Berichten über Kindesmissbrauch in den meisten Fällen die Wahrheit sagen. Das ist eine gesicherte Erkenntnis. Sie erfinden solche Geschichten nicht. Die Ältesten würden daher unverzüglich Schutzmaßnahmen einleiten, Unterstützung leisten, sicherstellen, dass die Familie für das Kind sorgt, und die notwendigen Schritte zum Schutz des Kindes veranlassen.

372 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Sie sagen also, dass Älteste überall auf der Welt dies zwingend tun sollten?

373 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Sie sollten es tun, denn christliche Grundsätze verlangen Maßnahmen, wenn sie erkennen, dass sich ein Kind in einer gefährlichen Lage befindet. Beim Rechtsverfahren geht es lediglich darum festzustellen, ob eine Person, der Täter, eine Sünde begangen hat, die einen Ausschluss aus der Versammlung rechtfertigt. Das bedeutet aber nicht, dass wir dumm wären und glaubten, eine Person habe nichts getan.

374 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Dann möchte ich noch einmal auf die biblische Grundlage zurückkommen. Sie haben Matthäus 18, Vers 16, genannt. Soweit ich es verstehe – korrigieren Sie mich, wenn ich falschliege –, verweist diese Stelle wiederum auf 5. Mose 19, Vers 15. Mit anderen Worten: Jesus Christus nahm auf den Teil des mosaischen Gesetzes Bezug, der die Beweisführung regelte?

375 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Er zitierte, wie häufig, aus dem mosaischen Gesetz, gab ihm jedoch eine christliche Anwendung.

376 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Dieser Grundsatz findet sich aber, wie in 5. Mose 19:15 festgehalten, im mosaischen Gesetz. Ist das richtig?

377 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja. Es ist ein Grundsatz, der sowohl im Alten als auch im Neuen Testament vorkommt.

378 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Mich interessiert – und vielleicht können Sie mir dabei helfen –, weshalb er auf einen sexuellen Übergriff angewandt wird, obwohl sich die von Ihnen angeführte Stelle im Matthäusevangelium offenkundig nicht auf einen sexuellen Übergriff bezog.

379 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Darf ich das noch etwas erläutern? Die Bibel hebt grundlegende Prinzipien hervor. Ich könnte Ihnen 2. Korinther 13, Vers 1, nennen. Entschuldigung, Herr Stewart, können Sie mich gut hören?

380 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Ja, fahren Sie fort.

381 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Auch 1. Timotheus 5, Vers 19, ist kein vereinzelter Vers. Es handelt sich um einen grundlegenden biblischen Beweisgrundsatz. Ich möchte jedoch erneut betonen: Dieser bezieht sich nur auf ein von der Kirche eingesetztes Komitee, das entscheidet, ob jemand in der Versammlung verbleiben darf. Beim Rechtssystem – und um der Kommission Zeit zu sparen: Ich bin sicher, Sie werden mich auf das 5. Buch Mose zurückverweisen wollen, wo die Strafe der Steinigung erwähnt wird – müssen wir Folgendes berücksichtigen: Die dem alten Israel gegebenen Gesetze vereinten Gerichtsbarkeit und Strafvollzug in einem einzigen System. Als die christliche Ordnung unter der Leitung unseres Herrn Jesus Christus entstand, erhielt die christliche Kirche keine Befugnis, Menschen einzusperren, hinzurichten oder ihnen auf andere Weise Strafen zuzufügen. Das Rechtssystem der christlichen Ordnung betrifft daher die geistige Reinheit der Versammlung; die Beweisregeln bleiben jedoch durchgängig dieselben.

382 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Herr Jackson, genau auf diesen Punkt möchte ich hinaus. Sie kennen sicherlich – und wir können die Stelle gern aufschlagen – 5. Mose 22:23–27?

383 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
5. Mose 22:23–27.

384 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Das steht auf Seite 304. Dort heißt es: „Wenn ein Mann dabei entdeckt wird, wie er bei einer Frau liegt, die die Ehefrau eines anderen Mannes ist, müssen beide zusammen sterben …“ Ich möchte vorausschicken: Es geht mir nicht um die Steinigung, sondern um die Beweisfrage. „… beide müssen zusammen sterben, der Mann, der bei der Frau lag, ebenso wie die Frau. So sollst du das Böse aus Israel entfernen.“ Dann heißt es: „Wenn eine Jungfrau mit einem Mann verlobt ist und ein anderer Mann sie zufällig in der Stadt trifft und bei ihr liegt, sollt ihr beide zum Tor dieser Stadt hinausbringen und sie zu Tode steinigen, das Mädchen, weil sie in der Stadt nicht geschrien hat, und den Mann, weil er die Frau seines Mitmenschen gedemütigt hat. So sollst du das Böse aus deiner Mitte entfernen.“ Anschließend folgt das Beispiel, das mich besonders interessiert: „Wenn der Mann das verlobte Mädchen jedoch auf dem Feld trifft, sie überwältigt und bei ihr liegt, soll allein der Mann sterben, der bei ihr lag. Dem Mädchen sollst du nichts tun. Das Mädchen hat keine Sünde begangen, die den Tod verdient. Dieser Fall ist so, wie wenn ein Mann seinen Mitmenschen angreift und ermordet. Denn er traf sie auf dem Feld, und das verlobte Mädchen schrie, aber niemand war da, um sie zu retten.“ Der entscheidende Punkt dieses letzten Beispiels ist doch, dass es keinen zweiten Zeugen gibt: Die Frau befindet sich auf dem Feld, sie schreit, aber niemand ist da, um sie zu retten. Akzeptieren Sie das?

385 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Darf ich erklären, Herr Stewart: Ich denke, einige Zeugen Jehovas haben in ihren Aussagen bereits erläutert, dass der erforderliche zweite Zeuge in bestimmten Fällen auch durch die Umstände ersetzt werden kann. Ich glaube, es wurde ein Beispiel genannt –

386 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Darauf werde ich noch zurückkommen, Herr Jackson. Wir werden erheblich schneller und einfacher vorankommen, wenn wir einen Schritt nach dem anderen behandeln.

387 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
In Ordnung. Die Antwort auf Ihre Frage –

388 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Der gegenwärtige Schritt ist folgender: Sie akzeptieren, dass es in diesem Beispiel außer der Frau selbst keinen weiteren Zeugen gab?

389 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Es gab außer der Frau selbst keinen weiteren Zeugen; hinzu kamen jedoch die Umstände.

390 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Ja. Die Umstände bestanden darin, dass sie auf dem Feld vergewaltigt wurde?

391 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Mhm. Ja, das waren die Umstände.

392 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Obwohl es nur eine Zeugin gab, genügte dies dennoch für die Schlussfolgerung, dass der Mann zu Tode gesteinigt werden sollte.

393 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Mhm. Ja.

394 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Ist es nun nicht –

395 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ich glaube, in diesem Punkt stimmen wir überein.

396 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Ist es nicht denkbar, dass Jesus, wäre er nach einem Fall sexuellen Missbrauchs gefragt worden, auf diesen Abschnitt des 5. Buches Mose verwiesen und erklärt hätte, dass zwei Zeugen nicht erforderlich sind?

397 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das würde ich Jesus ganz gewiss gern fragen. Im Moment kann ich das nicht; ich hoffe aber, es in Zukunft zu können. Es ist eine hypothetische Frage. Hätten wir eine Antwort darauf, könnten wir Ihre Aussage bestätigen.

398 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
In gewisser Weise ist sie hypothetisch. Meine eigentliche Frage lautet jedoch: Ist die biblische Grundlage für die Zwei-Zeugen-Regel – Sie sind der Bibelgelehrte, nicht ich – wirklich so eindeutig, oder besteht für Ihre Leitende Körperschaft nicht doch Raum anzuerkennen, dass diese Regel bei sexuellem Missbrauch nicht angewandt werden muss?

399 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Darf ich nochmals darauf hinweisen, dass wir bereits anerkannt haben, dass auch die Umstände als einer der Zeugen gelten können?

400 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Darauf komme ich noch zurück; meine Frage ist jedoch eine andere. Sie lautet, ob die biblische Grundlage für die Zwei-Zeugen-Regel in Fällen sexuellen Missbrauchs tatsächlich tragfähig ist.

401 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Wir glauben, dass sie tragfähig ist, weil dieser Grundsatz in den Schriften so häufig betont wird.

402 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Ihnen ist natürlich bekannt, dass bei Ehebruch zwei Zeugen für die Umstände, die eine Gelegenheit zum Ehebruch boten, genügen?

403 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja.

404 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Mit anderen Worten: Es müssen nicht zwei Personen den eigentlichen Ehebruch beobachtet haben; es genügt, wenn sie die Umstände bezeugen, unter denen die Gelegenheit dazu bestand?

405 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Entschuldigung, das müssten Sie mir etwas genauer erläutern. Ich bin nicht ganz sicher, was Sie meinen.

406 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Ich wollte den Vorgang abkürzen, werde Ihnen aber das Dokument zeigen. Es handelt sich um dasselbe Buch „Hütet die Herde“, Register 120, Seite 61. Sehen Sie dort Absatz 11?

407 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Absatz 11 – ja, ich sehe ihn.

408 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Auch dies steht in dem Kapitel über die Feststellung, ob ein Rechtskomitee gebildet werden sollte. Die Überschrift lautet: „Beweise – bestätigt durch mindestens zwei Zeugen –, dass der Beschuldigte unter unangebrachten Umständen die ganze Nacht im selben Haus wie eine Person des anderen Geschlechts oder wie ein bekannter Homosexueller verbracht hat.“ Anschließend heißt es: „Älteste sollten die Situation vernünftig beurteilen, bevor sie ein Rechtskomitee bilden.“ Beim zweiten Aufzählungspunkt steht: „Liegen keine mildernden Umstände vor, würde aufgrund starker Indizien für Porneia ein Rechtskomitee gebildet.“

409 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Mhm.

410 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Unten auf der Seite finden Sie das Beispiel eines verheirateten Bruders, der ungewöhnlich viel Zeit mit seiner Sekretärin verbringt. Zwei Zeilen vor dem Ende heißt es: „Später, als er behauptet, über Nacht auf eine ‚Geschäftsreise‘ zu gehen, folgen ihm seine misstrauische Frau und ein Verwandter zum Haus der Sekretärin. Sie beobachten Umstände, unter denen Ehebruch hätte stattfinden können.“ Diese beiden Zeugen genügen dann, um den Fall festzustellen. Sehen Sie das?

411 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, das sehe ich.

412 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Müsste dann bei sexuellem Kindesmissbrauch nicht ebenfalls ein Zeuge für die Gelegenheit, bei der der Missbrauch hätte stattfinden können, als ausreichender zweiter Zeuge gelten?

413 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, wenn – wenn keine – wie heißt es hier?

414 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
„Mildernden Umstände“?

415 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
„Unter unangebrachten Umständen“.

416 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Ein zweiter Zeuge für Indizien oder bestätigende Umstände würde also ausreichen, um das Erfordernis eines zweiten Zeugen zu erfüllen?

417 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist eine sehr weitreichende Frage, die wir meines Erachtens sorgfältig prüfen müssten.

418 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Es ist jedoch wichtig zu klären, ob der zweite Zeuge den Missbrauch selbst gesehen haben muss oder in welchem Umfang er Indizien beziehungsweise bestätigende Umstände bezeugen kann. Nehmen wir ein Beispiel: Könnte das erkennbare Trauma der betroffenen Person als bestätigendes Beweismittel berücksichtigt werden?

419 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, es müsste berücksichtigt werden. Herr Stewart, ich möchte hinzufügen, dass wir gerade solche Fragen im Anschluss an die Royal Commission weiterverfolgen möchten, um sicherzustellen, dass alles Erforderliche geregelt ist. Diese Dinge sind für uns zweifellos von Interesse.

420 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Sie werden aber verstehen, Herr Jackson, dass uns interessiert, welchen Bewegungsspielraum Sie haben – in welchem Umfang Sie an die Schriften gebunden sind und in welchem Umfang Sie Ihre Verfahren flexibel verändern können.

421 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist richtig. Darf ich dazu noch erwähnen – entschuldigen Sie.

422 · ANGUS STEWART SC
Ich wollte Euer Ehren fragen, ob dies ein geeigneter Zeitpunkt für die Mittagspause wäre.

423 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Herr Jackson, was wollten Sie noch sagen?

424 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ich wollte lediglich sagen, dass ich dachte, dieser Punkt sei in den Anhörungen bereits geklärt worden. Sollte dies nicht der Fall sein, müssen wir ihn ganz gewiss weiterverfolgen.

425 · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Gut. Herr Jackson, es ist nun angemessen, dass wir hier eine Mittagspause einlegen. Wir setzen die Verhandlung um 14 Uhr Ortszeit Sydney fort.

4. Religionsfreiheit, Austritt und Ächtung

426 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Herr Jackson, ich möchte kurz einige Grundsätze beziehungsweise leitende Glaubensüberzeugungen der Organisation der Zeugen Jehovas behandeln. Betrachten Sie Jehova Gott zunächst als einen liebevollen Gott?

427 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Unbedingt; zudem sagt 1. Johannes 4:8 genau das.

428 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Betrachten Sie Jehova Gott als einen mitfühlenden Gott?

429 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja.

430 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Erkennt Jehova Gott den Wert und die Würde aller Menschen an?

431 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Unbedingt.

432 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Also nicht ausschließlich den Wert und die Würde von Menschen, die Zeugen Jehovas sind?

433 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Nein. Deshalb wurde Jesus für die gesamte Menschheit in die Welt gesandt.

434 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Und dazu gehören selbstverständlich auch Frauen und Kinder?

435 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Auch Frauen und Kinder.

436 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Erkennt die Organisation der Zeugen Jehovas demnach die Freiheit jedes Einzelnen an, religiöse Entscheidungen zu treffen?

437 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, das tun wir.

438 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Nach meinem Verständnis erkennt Ihre Organisation auch die Freiheit jedes Einzelnen an, Straftaten bei den Behörden anzuzeigen?

439 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Unbedingt.

Inaktivität, Austrittserklärung und Gemeinschaftsentzug

440 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Soweit ich es verstehe, müssen Menschen, die einmal Zeugen Jehovas waren, aber nicht länger als solche gelten möchten, ihren Austritt erklären, sich also von der Organisation distanzieren. Ist das richtig?

441 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Nein, nicht zwangsläufig. Auf meinen Reisen begegne ich vielen Menschen, die früher einmal Zeugen Jehovas waren, sich dann aber entschieden haben, nicht mehr aktiv zu sein. Sie haben kein formelles Verfahren durchlaufen.

442 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Ich habe meine Worte bewusst gewählt, Herr Jackson.

443 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
In Ordnung.

444 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Wenn jemand nicht länger als Zeuge Jehovas anerkannt oder bezeichnet werden möchte, muss er seinen Austritt erklären. Ist das richtig?

445 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Noch einmal: nur wenn die Person diesen Schritt vollziehen möchte. Selbstverständlich hat sie völlige Freiheit. Möchte sie nicht förmlich beantragen, nicht länger als Zeuge Jehovas geführt zu werden, kann sie dennoch jedem mitteilen, dass sie kein Zeuge Jehovas mehr ist.

446 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Darauf komme ich zurück. Bitte sehen Sie zunächst Register 109, Seite 155. Dies ist das Handbuch „Organisiert, Jehovas Willen zu tun“?

447 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ist das der Abschnitt über das Verlassen der Gemeinschaft?

448 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Ja, richtig. Dieses Handbuch wird allen getauften Zeugen Jehovas ausgehändigt. Ist das richtig?

449 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist richtig – oder nein, lassen Sie mich das präzisieren. Entschuldigen Sie: Es erhalten diejenigen, die für den Predigtdienst von Haus zu Haus zugelassen sind. Auch jemand, der sich auf die Taufe vorbereitet und ungetaufter Verkündiger ist, dürfte daher ein Exemplar besitzen.

450 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Alle getauften Zeugen Jehovas orientieren sich also an diesem Handbuch; darüber hinaus können nach Ihrer Aussage auch einige noch nicht Getaufte ein Exemplar erhalten?

451 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist richtig.

452 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Danke. Dies ist die aktuelle Ausgabe aus dem Jahr 2005. Eine neuere Ausgabe gibt es nicht, richtig?

453 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Nein, eine neuere Ausgabe ist nicht verfügbar.

454 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Im ersten Satz heißt es: „Der Ausdruck ‚Verlassen der Gemeinschaft‘ bezeichnet die Handlung einer Person, die zwar ein getauftes Mitglied der Versammlung ist, ihren christlichen Stand aber bewusst zurückweist, indem sie die Versammlung durch ihr Verhalten ablehnt oder erklärt, dass sie nicht länger als Zeuge Jehovas anerkannt oder bezeichnet werden möchte.“ Ist es demnach so, dass jemand, der nicht länger als Zeuge Jehovas anerkannt oder bezeichnet werden möchte, seinen Austritt erklären muss?

455 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Nein, dort steht nicht, dass die Person irgendetwas tun muss. Wenn Sie weiterlesen, sehen Sie, dass es ein Verfahren gibt. Dieses gibt der Person das Recht, offiziell bekanntgeben zu lassen, dass sie kein Zeuge Jehovas mehr ist. Wie ich bereits gesagt habe: Entscheidet sie sich, dieses Recht nicht auszuüben, fällt sie nicht automatisch unter diese Regelung.

456 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Menschen, die dieses Recht nicht ausüben und – wie Sie es beschrieben haben – inaktiv werden, unterliegen aber weiterhin den Regeln und der Disziplin der Organisation. Nicht wahr?

457 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das müsste ich überprüfen, weil es persönlich nicht mein Fachgebiet ist. Nach meinem Verständnis würden Meldungen über eine Person, die über Jahre hinweg durch ihr Verhalten in der Öffentlichkeit deutlich gemacht hat, dass sie keine Zeugin Jehovas mehr ist, lediglich zurückgestellt, bis sie sich entscheidet zurückzukehren.

458 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Herr Jackson, nach meinem Verständnis unterliegt jemand in dieser Situation, wenn er bei einem Verstoß gegen eine Regel festgestellt wird, weiterhin einem Disziplinarverfahren bis hin zu einem möglichen Gemeinschaftsentzug. Ist das nicht richtig?

459 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist möglich. Um Ihre Frage fair zu beantworten: Ich denke, es hängt von den Umständen ab; ich kann dazu jedoch keine abschließende Aussage treffen.

460 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Wenn jemand also inaktiv geworden ist oder versucht hat, sich ohne förmliche Austrittserklärung allmählich zurückzuziehen, und die Ältesten ihn besuchen und feststellen, dass er Weihnachten oder einen Geburtstag feiert, würde dies als Regelverstoß angesehen. Nicht wahr?

461 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das entspricht nicht meinem Verständnis. Aber wie gesagt, dies ist nicht mein Fachgebiet; es betrifft Richtlinien für solche Fälle. Nach meiner persönlichen Erfahrung ist das jedoch nicht so.

462 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Herr Jackson, Sie sagen, es sei nicht Ihr Fachgebiet. Sie sind jedoch Mitglied der Leitenden Körperschaft, die nach Ihrer eigenen Aussage für den gesamten Bereich verantwortlich ist. Sie gehören ihr seit zehn Jahren an, und alle Komitees sind der Leitenden Körperschaft verantwortlich und rechenschaftspflichtig.

463 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist richtig.

464 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Dann ist es doch Ihr Fachgebiet, nicht wahr?

465 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Nur insoweit, als es um die Genehmigung grundlegender biblischer Prinzipien geht. Haben Sie ein bestimmtes biblisches Prinzip im Sinn, zu dem Sie mich befragen möchten, oder sprechen Sie über Richtlinien und deren Umsetzung? Das ist ein Unterschied.

466 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Ja. Und sämtliche Richtlinien müssen den biblischen Grundsätzen entsprechen. Nicht wahr?

467 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja. Wenn Sie eine Frage zu einem biblischen Grundsatz haben, erläutere ich ihn Ihnen gern.

468 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Aus diesem Grund müssen die Richtlinien von der Leitenden Körperschaft genehmigt werden, damit sichergestellt ist, dass sie den biblischen Grundsätzen entsprechen?

469 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist richtig. Dass Richtlinien gelegentlich geändert werden müssen, zeigt jedoch, dass dabei Spielraum besteht.

470 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Falls es – entgegen der Möglichkeit, die Sie andeuten, aber nach eigener Aussage nicht genau kennen – nicht so ist, dass jemand, der keinen ausdrücklichen Austritt erklärt, sondern lediglich versucht, sich zurückzuziehen oder inaktiv zu werden, nicht mehr den Regeln unterliegt: Wo verläuft dann die Grenze zwischen Personen, die den Regeln unterliegen, und solchen, für die dies nicht gilt?

471 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist eine gute Frage. Hier kommt das Urteilsvermögen ins Spiel. Mit „Urteilsvermögen“ meine ich den gesunden Menschenverstand bei der Einschätzung, ob jemand in der Öffentlichkeit weiterhin als Zeuge Jehovas wahrgenommen wird.

472 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Ist nicht genau das der Punkt? Wenn jemand in der Öffentlichkeit als Zeuge Jehovas wahrgenommen wird, dann deshalb, weil er weder seinen Austritt erklärt hat noch ausgeschlossen wurde.

473 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Nun, es hängt auch davon ab, was die betreffende Person anderen Menschen sagt.

474 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Einen Mittelweg gibt es doch nicht. Entweder man ist Mitglied und unterliegt der Organisation, oder man ist es nicht. Ist das nicht der Fall?

475 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja. Ich dachte jedoch, Sie fragten mich nach dem Austritt.

476 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Das tue ich tatsächlich. Wenn jemand keinen Austritt erklärt hat, sondern lediglich inaktiv werden oder sich schrittweise zurückziehen möchte, unterliegt er weiterhin der Disziplin und den Regeln der Organisation?

477 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Wenn die Person anerkennt, dass sie ein Zeuge Jehovas ist.

478 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Und wenn sie das Gegenteil erklärt, also sagt, sie sei kein Zeuge Jehovas, bewirkt diese Erklärung ihren Austritt?

479 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Wenn sie sich für diesen Weg entscheidet.

480 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Und wenn sie nicht aktiv ihren Austritt erklärt, wird sie wegen Abtrünnigkeit ausgeschlossen?

481 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Nein. Ein Abtrünniger ist jemand, der aktiv gegen die Lehren der Bibel vorgeht.

482 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Wenn Älteste an der Tür eines Mitglieds klopfen, das inaktiv geworden ist und sich schrittweise zurückziehen wollte, und fragen: „Sind Sie noch ein Zeuge Jehovas oder nicht?“, und die Person antwortet: „Nein, ich möchte kein Zeuge Jehovas sein“, dann wird dies entweder zu einem Gemeinschaftsentzug oder zu einer Austrittserklärung führen. Nicht wahr?

483 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Nein, dem stimme ich nach meinen Erfahrungen nicht zu. Darf ich zu dieser hypothetischen Situation, die vermutlich durchaus vorkommen könnte, etwas sagen? Wenn zwei Älteste jemanden zu Hause besuchen, wird die Person ihnen nicht schon an der Tür mit den Worten begegnen: „Hallo, ich feiere Weihnachten.“ Ihre Annahme setzt voraus, dass Jehovas Zeugen über eine Art Spionagenetz verfügen, das diese Menschen überwacht. Das tun wir nicht. Sagt die Person dagegen: „Ich wurde als Zeuge Jehovas getauft, bin aber nicht mehr aktiv“, werden die Ältesten zweifellos sagen: „Wir möchten Sie zur Rückkehr ermutigen. Können wir etwas tun, um Ihnen zu helfen?“ Wenn die Person im Verlauf ihrer Rückkehr aus eigenem Antrieb mitteilt, einen Lebensstil geführt zu haben, der dem Lebenswandel von Jehovas Zeugen widerspricht, würden wir uns selbstverständlich damit befassen.

484 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Nehmen wir diese Annahme. Die Ältesten besuchen also diesen Haushalt. Herr Jackson, können Sie mich hören?

485 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, ich kann Sie hören. Entschuldigung, Sie hatten begonnen – ich hatte noch keine Frage gehört.

486 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Ja, ich hörte ein Echo meiner eigenen Stimme, aber das Problem scheint behoben zu sein. Nehmen wir also an, zwei Älteste besuchen den Haushalt einer seit einiger Zeit inaktiven Person. Sie möchten herausfinden, ob die Person wieder aktiv werden würde, und sie dazu ermutigen. Bei diesem Besuch stellen sie fest, dass die Person aus Sicht der Zeugen Jehovas in Sünde lebt. Dann würde sie der Disziplin der Organisation unterliegen, nicht wahr?

487 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
In einem solchen Fall ja.

488 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Und die einzige Möglichkeit, das zu vermeiden, bestünde darin, den Austritt zu erklären?

489 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Wenn die Person das Verfahren nicht durchlaufen möchte. Darf ich jedoch erwähnen, dass die Person in Ihrer hypothetischen Situation den Wunsch geäußert hat zurückzukehren? Sehr, sehr viele Menschen in einer solchen Lage möchten tatsächlich zurückkehren.

490 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Nein, Herr Jackson, meine hypothetische Situation hatte nichts mit einer Person zu tun, die zurückkehren möchte. Meine Annahme war, dass jemand die Organisation verlassen oder nicht mehr an ihr beteiligt sein möchte. Ich untersuche die von Ihnen aufgezeigte Möglichkeit, lediglich inaktiv zu werden, ohne förmlich außerhalb der Organisation zu stehen oder einen Austritt zu erklären. Verstehen Sie?

491 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja. Entschuldigung, ich hatte Sie so verstanden, dass die Person den Wunsch geäußert habe zurückzukehren. Es tut mir leid.

492 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Wir sind also an dem Punkt angelangt, dass eine Person, die inaktiv geworden ist und lediglich inaktiv bleiben möchte, weiterhin den Regeln und der Disziplin der Organisation unterliegt. Ist das nicht so?

493 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Wenn sie zurückkehren möchte. Aber wir betreiben keinen Polizeistaat, in dem wir Menschen aufsuchen und zwingen, unseren Glaubensüberzeugungen zu folgen.

494 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Lassen wir das beiseite. Der Punkt ist doch: Wenn die Ältesten eine solche Person besuchen und feststellen, dass sie aus Sicht der Zeugen Jehovas in Sünde lebt, würden sie nach den vorgesehenen Verfahren vorgehen und die Person gemäß den Regeln der Organisation disziplinieren. Nicht wahr?

495 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja. Wenn festgestellt wird, dass jemand, der behauptet, ein Zeuge Jehovas zu sein, in Sünde lebt, würden die Ältesten zunächst zu klären versuchen, was getan werden muss. Selbstverständlich möchten wir der Person helfen. Der erste Schritt wäre daher festzustellen, ob sie zurückkehren möchte und bereit ist, ihr Verhalten zu ändern. Ist die Person schließlich bereit, mit uns zu sprechen, dann wäre dies, ja, Teil eines Rechtsverfahrens.

496 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Wenn sie dazu nicht bereit ist, muss sie entweder ihren Austritt erklären oder wird ausgeschlossen?

497 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
In diesem konkreten Fall wäre das so. Ich kann mir jedoch viele andere Situationen vorstellen, in denen das nicht der Fall wäre.

498 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Es ist richtig, dass sowohl nach einer Austrittserklärung als auch nach einem Gemeinschaftsentzug die übrigen Zeugen Jehovas keinen Umgang mehr mit der ausgetretenen oder ausgeschlossenen Person haben dürfen?

499 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja. Das entspricht den biblischen Grundsätzen, die Sie gewiss bereits gelesen haben.

500 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Und das gilt auch für Familienangehörige, die nicht im selben Haushalt leben?

501 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist richtig.

502 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Jemand, der die Organisation verlassen möchte, muss sich demnach zwischen der Freiheit von der Organisation einerseits und seinen Freunden, seiner Familie und seinem sozialen Netzwerk andererseits entscheiden. Akzeptieren Sie das?

503 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ich dachte, ich hätte deutlich gemacht, dass ich dieser Annahme nicht zustimme. Sprechen Sie von einer begangenen schweren Sünde oder von jemandem, der Jehovas Zeugen einfach verlassen möchte? Lassen Sie mich das klarstellen: Wenn jemand kein aktiver Zeuge Jehovas mehr sein möchte und in der Öffentlichkeit nicht als Zeuge Jehovas wahrgenommen wird, verfügen wir nicht über eine sogenannte geistige Polizei, die diese Person verfolgt.

504 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Herr Jackson, tatsächlich ist es doch so, dass eine als Zeuge Jehovas getaufte Person anschließend entweder innerhalb oder außerhalb der Organisation steht. Ist das nicht richtig?

505 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ich denke, möglicherweise liegen Sie hinsichtlich der Tatsachen etwas falsch.

506 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Das glaube ich nicht. Sie haben bereits akzeptiert, Herr Jackson, dass jemand, der – wie von Ihnen beschrieben – lediglich inaktiv wird, weiterhin den Regeln der Organisation unterliegt.

507 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, aber darf ich erwähnen, Herr Stewart: Bei Ihrer ersten Annahme – dass die Ältesten jemanden beim Feiern von Weihnachten antreffen – handelt es sich um eine Person, die keinen Umgang mit anderen Zeugen Jehovas pflegt und nicht aktiv versucht, andere Menschen zu beeinflussen und so weiter. Soweit ich es verstehe, würde gegen eine solche Person kein Rechtsverfahren eingeleitet. Daher muss ich Ihnen leider widersprechen, aber ich hoffe, Sie erkennen –

508 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Herr Jackson, Sie konzentrieren sich darauf, welches Fehlverhalten die Person begeht. Das ist nicht mein Punkt. Sie mag überhaupt nichts Falsches tun, unterliegt aber weiterhin den Regeln der Organisation für den Fall, dass sie irgendwann doch etwas tut, was als falsch gilt.

509 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Dem stimme ich zu. Ich stimme jedoch nicht der pauschalen Aussage zu, dass ihr nur zwei Möglichkeiten bleiben. Das war der Punkt, dem ich widersprochen habe.

510 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Dann ist es doch richtig: Möchte die Person nicht den Regeln und der Disziplin der Organisation unterliegen, muss sie diese durch eine ausdrückliche Austrittserklärung verlassen. Ist das nicht die Wahrheit?

511 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Wenn sie ganz eindeutig nicht mehr dazugehören möchte, ja.

512 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Ja.

513 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Es gibt jedoch Menschen, die diesen aktiven Schritt nicht unternehmen möchten.

514 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Dann stehen sie vor der Wahl zwischen der Freiheit von der Organisation einerseits und dem Verlust ihrer Familie, ihrer Freunde und ihres sozialen Netzwerks andererseits?

515 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
So möchten Sie es formulieren, Herr Stewart. Ich versuche jedoch zu sagen, dass es Menschen gibt – von einigen habe ich gehört –, die sich einfach schrittweise zurückziehen und nicht mehr aktive Zeugen Jehovas sind.

516 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Herr Jackson, Sie haben es so dargestellt, als hätten sie die Wahl, zu gehen oder nicht zu gehen. Für jemanden, der die Organisation verlassen möchte – vielleicht weil er von jemandem innerhalb der Organisation missbraucht wurde und der Auffassung ist, dass damit nicht richtig oder angemessen umgegangen wurde –, ist dies aber eine sehr schwierige Entscheidung, weil er wählen muss –

517 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Dem stimme ich zu, ja.

518 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Und es kann für die Person eine sehr grausame Wahl sein. Nicht wahr?

519 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ich stimme zu, dass es eine schwierige Entscheidung ist.

520 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Und sie kann persönlich verheerend sein, weil die Person ihr gesamtes soziales Netzwerk und ihre Familie verlieren kann?

521 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das kann der Fall sein, ja.

522 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Akzeptieren Sie dann, dass es dem Glauben der Zeugen Jehovas an die freie religiöse Entscheidung widerspricht, Menschen durch dieses System des Kontaktabbruchs beziehungsweise der Ächtung vor eine solche Wahl zu stellen?

523 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Nein, das akzeptiere ich nicht. Ich denke, Sie ziehen hier einen voreiligen Schluss; ich verstehe jedoch, dass Sie diese Auffassung vertreten.

524 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Weshalb akzeptieren Sie das nicht?

525 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Weil Menschen innerhalb der gesamten Ordnung der Zeugen Jehovas Entscheidungen aus freiem Willen treffen müssen. Nehmen wir beispielsweise die Taufe: Wenn jemand zu uns kommt und sagt: „Ich möchte getauft werden“, lassen wir ihn nicht ohne Weiteres taufen. Die Person muss zunächst verstehen, was ein christlicher Lebenswandel bedeutet. Normalerweise braucht sie ein oder zwei Jahre, um unsere Veröffentlichungen durchzuarbeiten, damit sie diese Verpflichtung persönlich eingehen kann. Diese Entscheidung trifft sie selbst. Wir zwingen niemanden, in unserer Organisation zu bleiben. Allerdings darf man nicht vergessen, dass die Bibel für uns der höchste Maßstab ist und wir glauben, dass es gut für Menschen ist, nach der Bibel zu leben. Dass viele Ausgeschlossene aus freiem Willen zurückkehren, zeigt, dass auch sie weiterhin überzeugt sind, dass dies eine gute Lebensweise ist.

526 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Herr Jackson, Sie wurden im Alter von 13 Jahren getauft. Ist das richtig?

527 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, ganz gewiss.

528 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Tatsächlich werden viele Zeugen Jehovas sogar in noch jüngerem Alter getauft?

529 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ich habe einige kennengelernt, die jünger getauft wurden.

530 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Halten Sie jemanden in diesem Alter für alt und reif genug, eine Entscheidung zu treffen, die sich auf sein gesamtes weiteres Leben auswirkt?

531 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
In manchen Fällen ja. Selbstverständlich gibt es Kinder, die eine solche Entscheidung nicht treffen könnten. Vielleicht bezweifeln manche auch, dass ich sie mit 13 Jahren treffen konnte. Ich arbeite jedoch mit Menschen zusammen, die mit elf Jahren getauft wurden und ihr ganzes Leben an dieser Entscheidung festgehalten haben.

532 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Das könnte daran liegen, dass sie die Organisation nicht verlassen können, ohne alle Menschen zurückzulassen, die sie kennen.

533 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Alles ist möglich.

534 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Nehmen wir jemanden, der in jungen Jahren getauft wurde und als junger Erwachsener feststellt, dass seine Überzeugungen anderswo liegen und er sich für ein anderes Glaubenssystem entscheiden möchte. Auch diese Person steht dann vor der von uns beschriebenen harten Wahl. Nicht wahr?

535 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist richtig.

536 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Auf dieser Grundlage, so lege ich Ihnen nahe, steht diese Richtlinie und Praxis der Organisation im Widerspruch zu dem von Ihnen bestätigten Glauben der Zeugen Jehovas an die freie religiöse Entscheidung.

537 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Nein, wir sehen das nicht so. Sie haben jedoch das Recht auf Ihre Meinung.

538 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Ich lege Ihnen ferner nahe, dass dies auch der Vorstellung eines liebevollen und mitfühlenden Gottes widerspricht.

539 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das wäre ganz gewiss nicht mit den Aussagen der Bibel vereinbar, denn Jehova disziplinierte sein Volk zeitweise, indem er es ins Exil gehen und später zurückkehren ließ. Jehova verfolgt das letztlich umfassende Wohl der Menschen; manchmal schließt das eine Form von Disziplin ein.

540 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Akzeptieren Sie, dass Ihre Organisation dadurch, dass sie Menschen vor diese Wahl stellt, in vieler Hinsicht zu einer Organisation wird, in der Menschen gefangen sind?

541 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das akzeptiere ich überhaupt nicht.

542 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Gibt es eine biblische Grundlage für diese Praxis der Ächtung?

543 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja. Vielen Dank für die Gelegenheit, sie zu erläutern. Die Bibelstelle findet sich im 1. Korintherbrief – zweifellos haben Sie sie bereits gesehen. 1. Korinther, Seite 1530 –

544 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Können Sie bitte nur die Stelle benennen –

545 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
1. Korinther, Kapitel 5, beginnend mit Vers 1. Dort wird eine Situation sexueller Unmoral in der Versammlung in Korinth beschrieben –

546 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Entschuldigen Sie, Herr Jackson. Ich frage im Grunde nur, ob es eine biblische Grundlage gibt, und Sie haben sie benannt. Meine nächste Frage lautet: Kann sich diese Praxis ändern? Sehen Sie irgendeine Grundlage, auf der Ihre Organisation diese Richtlinie künftig ändern könnte?

547 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Nein.

5. Verantwortung der Organisation, Entschädigung und Schutz Betroffener

548 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Erkennen Sie an, Herr Jackson – und ich möchte bei dieser Frage klarstellen, dass ich keineswegs behaupte, dies sei eine Besonderheit der Zeugen Jehovas; sehr viele Organisationen befinden sich in derselben Lage –, dass es innerhalb Ihrer Organisation ein Problem mit sexuellem Kindesmissbrauch unter ihren Mitgliedern gibt?

549 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ich erkenne an, dass Kindesmissbrauch in der gesamten Gesellschaft ein Problem ist und dass auch wir damit umgehen mussten.

550 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Erkennen Sie an, dass auch die Art und Weise, wie Ihre Organisation mit Vorwürfen sexuellen Kindesmissbrauchs umgegangen ist, Probleme verursacht hat?

551 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
In den vergangenen 20 oder 30 Jahren wurden Richtlinien geändert, weil wir versucht haben, einige dieser Problembereiche anzugehen. Dass Richtlinien geändert wurden, zeigt, dass die ursprünglichen Richtlinien nicht vollkommen waren.

552 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Und Sie erkennen selbstverständlich an, dass Ihre Organisation einschließlich ihrer Verantwortungsträger, etwa der Ältesten, gegenüber dem Problem sexuellen Kindesmissbrauchs nicht immun ist?

553 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das scheint der Fall zu sein.

554 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Erkennen Sie an, Herr Jackson, dass viele Bemühungen unterschiedlicher Menschen und Organisationen, auf das Problem sexuellen Kindesmissbrauchs aufmerksam zu machen und Lösungen zu finden, aufrichtige Versuche sind, die Situation zu verbessern?

555 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, das erkenne ich an. Deshalb sage ich gern aus.

556 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Und solche Bemühungen sind nicht zwangsläufig ein Angriff auf Ihre Organisation oder ihr Glaubenssystem?

557 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Auch das verstehen wir.

558 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Sie haben zuvor in Ihrer Aussage erklärt, die Arbeit dieser Royal Commission sei nützlich. Erkennen Sie demnach an, dass die Bemühungen der Royal Commission aufrichtig und gut gemeint sind?

559 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das tue ich ganz gewiss. Deshalb haben wir uns an der Royal Commission beteiligt, in der Hoffnung, dass aus der gemeinsamen Arbeit etwas hervorgeht, das sowohl uns als auch allen anderen hilft.

560 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Würden Sie dann jemandem widersprechen, der behauptet, Menschen, die auf sexuellen Kindesmissbrauch in der Kirche der Zeugen Jehovas aufmerksam machen und ihn bekämpfen wollen, verbreiteten abtrünnige Lügen?

561 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist vermutlich eine weit gefasste Frage, denn manche Personen, die solche Vorwürfe erheben, erheben zugleich viele weitere. Ich versichere Ihnen jedoch: Nicht die Person, die den Vorwurf erhebt, ist entscheidend. Entscheidend ist, ob es für den Vorwurf eine Grundlage gibt. Wenn wir uns in irgendeiner Weise verbessern können, ist die Leitende Körperschaft stets daran interessiert zu prüfen, wie unsere Richtlinien weiter verfeinert werden können. Herr Stewart, darf ich Folgendes betonen: Als Religionsgemeinschaft sind uns zwei Dinge besonders wichtig. Erstens bemühen wir uns, einen hohen moralischen Maßstab einzuhalten. Zweitens besteht innerhalb der Organisation Liebe. Deshalb möchten wir Opfer liebevoll behandeln.

562 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Noch zu diesem Punkt, Herr Jackson: Hat die Leitende Körperschaft erwogen, sich bei Betroffenen zu entschuldigen, die von Ältesten innerhalb der Organisation sexuell missbraucht wurden?

563 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
An Gesprächen darüber war ich nicht beteiligt.

564 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Können Sie sich vorstellen, dass dies geschehen könnte – dass also zumindest eine Entschuldigung erwogen wird?

565 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Die Leitende Körperschaft hat sich in anderen Angelegenheiten entschuldigt. Ich kann nicht für alle gemeinsam sprechen; aber wir haben uns in der Vergangenheit in anderen Bereichen für Dinge entschuldigt. Daher ist das vorstellbar.

566 · FRAGE · ANGUS STEWART SC
Hat die Leitende Körperschaft erwogen, ein Entschädigungssystem für Personen innerhalb der Organisation einzuführen, die von Ältesten sexuell missbraucht wurden?

567 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Darf ich dazu sagen: Wir haben viele Programme im humanitären Bereich eingerichtet, beispielsweise für Flutopfer und Ähnliches. Ich weiß, dass dies nicht unmittelbar dasselbe ist; ich erläutere nur den Zusammenhang. Die Leitende Körperschaft ist bereit, Mittel der Organisation auszugeben, um Menschen zu helfen – umso mehr, wenn jemand traumatisiert oder schwer geschädigt wurde.

568 · ANGUS STEWART SC
Das sind meine Fragen an Herrn Jackson, Euer Ehren.

Wiedergutmachung und Hilfe bei nur einer Zeugenaussage

569 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Ihnen ist vermutlich bekannt, Herr Jackson, dass die Kommission ein Wiedergutmachungs- beziehungsweise Entschädigungssystem für Betroffene prüft. Wissen Sie davon?

570 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ich habe gehört, dass es erwähnt wurde, Euer Ehren; die Einzelheiten kenne ich jedoch nicht.

571 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Ein Vorschlag besteht darin, ein nationales oder anderes gemeinsames System einzurichten, in dem sich sämtliche Institutionen, in denen Menschen missbraucht wurden, zusammenschließen und ein unabhängiges Entscheidungsverfahren ermöglichen, das eine gerechte Verteilung von Entschädigungen an die Betroffenen gewährleistet. Verstehen Sie?

572 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, das verstehe ich, Euer Ehren.

573 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Wären Jehovas Zeugen bereit, sich gemeinsam mit anderen Institutionen, in denen Menschen missbraucht wurden, an einem solchen System zu beteiligen?

574 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Euer Ehren, wir müssten die Einzelheiten prüfen. Dass wir sicherstellen, dass Opfer Hilfe erhalten, ist jedoch ganz gewiss grundsätzlich möglich.

575 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Bedeutet das, dass Jehovas Zeugen es nicht aus grundsätzlichen Erwägungen ablehnen würden, sich gemeinsam mit anderen Institutionen an einem koordinierten Wiedergutmachungssystem zu beteiligen?

576 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Euer Ehren, wir müssten prüfen, dass aus biblischer Sicht nichts dagegenspricht. Es kommt jedoch häufig vor, dass wir in finanziellen Angelegenheiten mit anderen zusammenarbeiten müssen. Grundsätzlich ist dies daher nicht völlig ausgeschlossen.

577 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Ich möchte Sie nun zu einer anderen Angelegenheit befragen.

578 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja.

579 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Herr Stewart hat mit Ihnen über die Schwierigkeit gesprochen, die daraus entsteht, dass Sie an biblischen Belegstellen festhalten, nach denen zwei Zeugen erforderlich sind, bevor ein Vorwurf anerkannt werden kann. Verstehen Sie?

580 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, das verstehe ich.

581 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Wir haben Aussagen gehört – und gewiss entspricht dies auch Ihrer eigenen Erfahrung –, dass man einer Person zuhört, die berichtet, es sei etwas Unrechtes geschehen, und selbst völlig von der Wahrheit ihrer Aussage überzeugt ist. Verstehen Sie?

582 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, das verstehe ich.

583 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
In einer solchen Lage kann man sich auch befinden, wenn niemand sonst das Ereignis beobachtet hat?

584 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist richtig.

585 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Was unternimmt die Kirche, wenn sich der Vorwurf gegen den Vater oder eine andere Person mit engem Kontakt zur Familie richtet, aber nur die Aussage des Kindes – vielleicht eines Mädchens im Teenageralter – vorliegt und der Vorwurf daher nicht festgestellt werden kann? Wie hilft die Kirche diesem Kind und beziehungsweise oder dieser Familie?

586 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist eine sehr gute Frage. Zunächst sollten die Ältesten den verantwortlichen Erwachsenen oder, soweit möglich, das Opfer darüber informieren, dass sie das Recht haben, sich an die Strafverfolgungsbehörden und das staatliche Rechtssystem zu wenden. Damit werden sie zunächst lediglich über dieses Recht informiert. Da uns jedoch auch das körperliche Wohlergehen einer Person in einer solchen Lage wichtig ist, würden wir sicherstellen, dass Vorkehrungen getroffen werden. Befindet sich das Kind innerhalb der Familie, können wir es selbstverständlich nicht körperlich aus der Familie herausnehmen; aber wir würden zumindest dafür sorgen, dass Maßnahmen eingerichtet werden, durch die diese Person die bestmögliche Fürsorge und den bestmöglichen Schutz erhält.

587 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Welche Maßnahmen würden Sie treffen?

588 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Zunächst würden wir den Sorgeberechtigten des Opfers informieren beziehungsweise ihm erläutern, was er tun muss. Wird die Polizei eingeschaltet, beginnt das staatliche Verfahren, in dem die Behörden gegebenenfalls befugt sind einzugreifen und Familien zu trennen und so weiter.

589 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Herr Jackson, viele dieser Menschen möchten jedoch nicht zur Polizei gehen, weil dies möglicherweise ein öffentliches Verfahren, eine Gerichtsverhandlung und Ähnliches nach sich zieht. Es ist sehr häufig so, dass Menschen nicht zur Polizei gehen möchten. Nach der von mir beschriebenen Annahme hat die junge Person aber die ihr von der Kirche auferlegte Verpflichtung erfüllt und das Fehlverhalten der Kirche gemeldet. Verstehen Sie?

590 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist richtig.

591 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Dann stellt sie fest, dass die Kirche den Vorwurf nicht als wahr anerkennt und entsprechend handelt, weil es nur eine Zeugin gibt – die junge Person selbst. Was tut die Kirche unter diesen Umständen, um dieser Person oder ihrer Familie zu helfen?

592 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Wie ich erwähnt habe, würden wir sie zunächst darauf hinweisen, dass sie sich an die Polizei wenden sollte, und versuchen – denn dies liegt außerhalb der Grenzen –

593 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Herr Jackson, diesen Punkt haben wir bereits behandelt. Es geht um eine Person – und davon gibt es viele –, die nicht zur Polizei gehen möchte, sich aber an Ihre Organisation gewandt hat, weil sie verpflichtet ist, Fehlverhalten dort zu melden. Meiner Annahme liegt selbstverständlich zugrunde, dass sie erwartet, von Ihrer Organisation Hilfe zu erhalten.

594 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja.

595 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Was tun Sie?

596 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Die Hilfe, die – darf ich zunächst erwähnen, Euer Ehren: Die Menschen in unserer Organisation besuchen zweimal pro Woche christliche Zusammenkünfte und beteiligen sich am Predigtdienst. Was jedoch im Elternhaus geschieht, liegt außerhalb der eigentlichen Befugnis der Ältesten; sie können Eltern nicht vorschreiben, wie sie diese Dinge mit ihren Kindern regeln sollen. Mein Punkt ist aber: Sobald der Vorwurf erhoben wurde, sind alle aufmerksam. Wir wissen nun davon. Vielleicht wird der Vater später von der Mutter in einer unangebrachten Situation beobachtet, und sie bringt dies vor – dann hätten wir zwei Zeugen.

597 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Ja, aber ich lege Ihnen die Situation vor, dass es eine Zeugin gibt, der Sie uneingeschränkt glauben.

598 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja.

599 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Was tun Sie?

600 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Zum bestmöglichen Schutz dieses Kindes würde ich – wenn sie glauben, dass dieses Kind und andere Kinder gefährdet sind, würde ich hoffen, dass das Gewissen der Ältesten sie dazu bewegt, die Polizei zu benachrichtigen, falls der Elternteil dazu nicht bereit ist.

601 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Sie würden also hoffen, dass die Ältesten auf diese Weise handeln. Gibt es irgendeine –

602 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja.

603 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
– Anweisung, nach der sie so handeln müssen?

604 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Euer Ehren, dies ist nicht mein Fachgebiet. Ich kann Ihnen nicht alle Abschnitte nennen, in denen wir das gesagt haben. Es entspricht jedoch meinem Verständnis. Sollte eine solche Anweisung nicht bestehen, wäre das möglicherweise etwas, das wir prüfen müssen.

605 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Und wenn das Mädchen sagt: „Nein, ich möchte nicht, dass die Sache zur Polizei geht. Ich möchte nicht mit einem möglichen Strafprozess konfrontiert werden, aber kann die Kirche mir bitte helfen?“ – was tun Sie dann?

606 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Dann würde ihr biblische Hilfe gegeben. Wir können aber nicht in eine Familie eingreifen und ein Kind seinen Eltern wegnehmen.

607 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Was meinen Sie mit „biblischer Hilfe“? Worin würde sie bestehen?

608 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ein biblischer Punkt, den wir ihr möglicherweise zeigen könnten, findet sich, soweit ich weiß, in dem bei dieser Kommission erwähnten Buch „Gottes Liebe“. Ich glaube nicht, dass mir die letzten Seiten dieses Buches hier vorliegen, um darauf zu verweisen. Dort gibt es jedoch eine Fußnote über staatliche Schritte durch Zeugen Jehovas. Sie sagt sehr eindeutig: „Wenn jemand etwas wie eine Vergewaltigung oder ein schweres Verbrechen begeht, sollte dies einen Zeugen Jehovas ganz gewiss nicht daran hindern, den Vorfall den Behörden zu melden.“ Wir würden also versuchen, die Person geistig dabei zu unterstützen, ihre Rechte und die Notwendigkeit einer Meldung zu erkennen. Im Wesentlichen ist es ihre Entscheidung; betrifft die Sache aber weitere Kinder, Nachbarn und andere, muss sie gewiss über die einzelne Person hinausdenken. Die biblische Hilfe, die wir geben würden, ähnelt der Unterstützung in anderen Situationen, in denen Menschen schreckliche Tragödien erlebt haben: Ihre Hoffnung und ihr Vertrauen in die Bibel können ihnen Trost geben. Nach den Anschlägen vom 11. September, als die Zwillingstürme einstürzten, wurden Zeugen Jehovas tatsächlich eingeladen, hineinzugehen und Menschen zu helfen, indem sie Bibelstellen mit ihnen teilten.

609 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Nehmen wir nun an, die junge Person berichtet, von einem Mitglied der Versammlung missbraucht worden zu sein, das nicht zu ihrer eigenen Familie gehört. Sie als Ältester sind wiederum vollständig davon überzeugt, dass sie die Wahrheit sagt. Was tun Sie dann?

610 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja –

611 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Der Annahme liegt selbstverständlich zugrunde, dass der mutmaßliche Täter für andere eine Gefahr darstellt. Was tun Sie?

612 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist richtig, ja. Es gibt dafür ein Verfahren. Ich denke, wir befinden uns derzeit in einem Prozess, einige unserer Richtlinien anzupassen; gerade deshalb ist dies ein guter Zeitpunkt für die Royal Commission. Es wird jedoch eindeutig deutlich, dass wir bestimmte Personen informieren und dem Beschuldigten Beschränkungen hinsichtlich jedes Kontakts mit Minderjährigen auferlegen müssen. Ist jemand tatsächlich unschuldig und hat nichts getan, sollte es ihm nichts ausmachen, seinen Namen dadurch reinzuhalten, dass er überhaupt nicht an Tätigkeiten mit Kindern beteiligt ist. Euer Ehren, darf ich daran erinnern: Da Jehovas Zeugen die familiäre Einheit achten, betreiben wir keine getrennten Sonntagsschulen und keine eigenständigen Jugendfreizeiten. Wir glauben, dass solche Dinge innerhalb der Familie geschehen sollten. Geistige Hilfe und Schutzmaßnahmen – insbesondere die Vermeidung von Kontakten zwischen einem Beschuldigten und Minderjährigen – sind für uns daher etwas leichter umzusetzen, weil wir keine getrennten Jugendgruppen oder ähnliche Strukturen haben.

613 · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Hat noch jemand Fragen?

6. Befragung durch Ms David: der Fall [BCG]

614 · MS DAVID
Ja, Euer Ehren.

615 · VERFAHRENSHINWEIS
BEFRAGUNG DURCH MS DAVID:

616 · FRAGE · MS DAVID
Danke, Herr Jackson. Mein Name ist Ms David, und ich vertrete [BCG]. Sind Sie mit dem Fall von [BCG] vertraut?

617 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Es tut mir leid, nein. Ich habe seit 36 Jahren nicht mehr in Australien gelebt und hatte ganz gewiss keine Gelegenheit, die Akten durchzusehen.

618 · FRAGE · MS DAVID
[BCG] hat eine schriftliche Zeugenaussage abgegeben und vor dieser Kommission ausgesagt. Hatten Sie Gelegenheit, ihre Aussage zu lesen oder ihre schriftliche Erklärung anzusehen?

619 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Nein, leider nicht. Der Grund meiner Reise hierher war die Betreuung meines erkrankten Vaters, was viel Zeit in Anspruch genommen hat. Zudem wusste ich nicht, dass ich vor die Kommission geladen werden würde.

620 · FRAGE · MS DAVID
Das verstehe ich, Herr Jackson. Halten Sie es nicht dennoch für wichtig – ich berücksichtige Ihre persönliche Lage, und dies ist kein Vorwurf –, dass Menschen in einer derart hohen Position wie der Ihren die Perspektive einer Missbrauchsbetroffenen wie [BCG] wirklich gut verstehen?

621 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Dem stimme ich zu. Lassen Sie mich hinzufügen, dass ich Mitgefühl empfinde. Ich kenne die Einzelheiten dessen nicht, was der von Ihnen vertretenen Person geschehen ist, empfinde aber ganz gewiss Mitgefühl für jede Tragödie, mit der sie konfrontiert war.

622 · FRAGE · MS DAVID
Sie stimmen jedoch zu, dass Ihre Organisation nie wirklich verstehen wird, wie sich ihre Verfahren auf Menschen wie [BCG] auswirken, solange sie keine Untersuchung oder Studie über deren Lage veranlasst?

623 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist ein berechtigter Einwand.

624 · FRAGE · MS DAVID
Stimmen Sie zu, dass Sie bislang keine derartige Untersuchung oder Studie über die Erfahrungen von jungen Menschen oder Menschen beliebigen Alters durchgeführt oder veranlasst haben, die innerhalb der Organisation missbraucht wurden?

625 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das lässt sich für mich nur schwer abschließend beantworten. Im Rahmen unserer üblichen Recherchen für Veröffentlichungen und Ähnliches sowie dadurch, dass unsere Dienstabteilungen Fälle wie den Ihrer Mandantin bearbeiten, wurden viele unserer Vorgehensweisen geprüft. Deshalb haben wir Änderungen vorgenommen. Ich bin sicher, dass sich die Richtlinien seit der Zeit verändert haben, in der die von Ihnen vertretene Person betreut beziehungsweise deren Fall behandelt wurde.

626 · FRAGE · MS DAVID
Bleiben wir noch bei diesem Punkt. Ihnen ist bekannt, dass Dr. Monica Applewhite vor der Kommission ausgesagt hat?

627 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, das ist mir bekannt. Ich hatte jedoch keine Gelegenheit, ihre Aussage anzusehen. Ich entschuldige mich.

628 · FRAGE · MS DAVID
Ist Ihnen bekannt, dass ihr bestimmte Unterlagen beziehungsweise Zeugenaussagen von Ältesten der Zeugen Jehovas zur Verfügung gestellt wurden, nicht jedoch die Zeugenaussagen der Missbrauchsbetroffenen, die im Verlauf dieses Verfahrens vorgelegt worden sind?

629 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Es tut mir leid, dazu kann ich wirklich nichts sagen. Darf ich erklären: So viel Mitgefühl ich für den Fall empfinde, hoffe ich, dass nach Abschluss dieser Kommission diejenigen, die auf diesem Gebiet erheblich mehr Erfahrung besitzen als ich, der Leitenden Körperschaft Empfehlungen vorlegen werden.

630 · FRAGE · MS DAVID
Das verstehe ich und habe Ihre heutige Aussage zur Kenntnis genommen. Ich möchte nur Folgendes fragen: Können Sie nachvollziehen, dass Menschen wie [BCG], die nichts als äußerst traumatische Erfahrungen gemacht haben, sehr beunruhigt sind, wenn sie den Eindruck haben, dass ihre Stimmen von den ranghohen Mitgliedern Ihrer Organisation überhaupt nicht gehört werden?

631 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ich wäre sehr enttäuscht, wenn das der Fall wäre. Ganz gewiss würde ich es bedauern, wenn bei der von Ihnen vertretenen Person dieser Eindruck entstanden ist.

632 · FRAGE · MS DAVID
Um sicherzustellen, dass die Verfahren künftig überprüft und die Perspektive der missbrauchten Person angemessen berücksichtigt wird: Hielten Sie es für sinnvoll, wenn Ihre Organisation tatsächlich eine entsprechende Untersuchung durchführen würde?

633 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Je mehr Informationen wir erhalten können, desto besser. Wir alle versuchen, mit einem schrecklichen Problem umzugehen, und jede zusätzliche Information wäre hilfreich.

634 · FRAGE · MS DAVID
Ich möchte an dieser Stelle betonen: Es ist ein schreckliches allgemeines Problem; die Probleme von [BCG] und anderen Betroffenen wurden jedoch durch ihre Erfahrungen mit den Verfahren innerhalb Ihrer eigenen Versammlung noch verschärft. Ich sage also: Es handelt sich um ein universelles Problem, aber es gibt zugleich spezifische Fragen, die eindeutig die Art und Weise betreffen, wie Jehovas Zeugen damit umgegangen sind. Deshalb ist es besonders wichtig, dass eine Überprüfung Ihre eigenen Verfahren gezielt untersucht.

635 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ich verstehe Ihren Punkt. Er ist berechtigt.

636 · FRAGE · MS DAVID
Zum Fall [BCG]: Ich weiß, dass Sie ihn nicht kennen, werde aber in aller Kürze einen Überblick geben, um nicht zu viel Zeit in Anspruch zu nehmen. Sie erhob einen Vorwurf. Zunächst wurde er wegen der Ein-Zeugen-Situation nicht anerkannt. Schließlich wurde ihre Beschwerde nach einer Berufung und aufgrund eines Geständnisses anerkannt. Den Behörden meldete sie den Vorgang im Wesentlichen erst, nachdem sie die Versammlung verlassen hatte, meiner Erinnerung nach ungefähr 15 Jahre später. Der Täter war ihr Vater. Etwa sieben Jahre nach dem ursprünglichen Missbrauch erfuhr sie, dass ihr Vater, [BCH], wieder in die Versammlung aufgenommen worden war. Das ist nur eine sehr kurze Zusammenfassung. Daraufhin schrieb sie einen eindringlichen, fünfseitigen Brief an das Zweigbüro in Australien, in dem sie ihre Lage schilderte und um Hilfe bat. Sie verlangte zudem die Zusicherung, dass die Angelegenheit behandelt werde. Sie war eine tiefgläubige junge Zeugin Jehovas und überließ es vollständig der Kirche der Zeugen Jehovas, etwas zu unternehmen. In ihrem Schreiben erklärte sie: „Nun kann ich die Angelegenheit nur noch in Ihre Hände legen und darum beten, dass Jehova den Ausgang lenkt, wie auch immer er sein mag.“ Zugleich flehte sie das Zweigbüro, Bethel, an, den Brief nicht zu ignorieren und gegen die schreckliche Situation vorzugehen. Sie berichtete von ihrem Suizidversuch und von den verheerenden Folgen für sie und ihre ebenfalls missbrauchten Schwestern. Als Antwort erhielt sie ein Schreiben. Bitte sehen Sie dazu Register 30 des Beweisordners an –

637 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, ich habe es hier vor mir.

638 · FRAGE · MS DAVID
Dies geschah nach sieben Jahren. [BCG] hat ausgesagt, dass sie nach Erhebung des Vorwurfs keinerlei beziehungsweise jedenfalls keine ausreichende Unterstützung erhielt, nicht einmal geistige Unterstützung. Sehen Sie bitte das Schreiben an. Dort heißt es zunächst im zweiten Absatz: „Wirf deine Last immer auf Jehova.“ Können Sie das sehen?

639 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Im zweiten Absatz, ja, ich sehe es.

640 · FRAGE · MS DAVID
Ihr wurde außerdem gesagt: „Das zu Herzen gehende Gebet Davids ist passend, in dem er Jehova darum bat, seine Tränen in seinem ‚Lederschlauch‘ aufzubewahren.“

641 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, das sehe ich.

642 · FRAGE · MS DAVID
Sie hat ausgesagt, dass sie sich durch das, was ihr mitgeteilt wurde, zum Schweigen gebracht fühlte. Außerdem erhielt sie im dritten Absatz im Wesentlichen den Rat: „Mit Jehovas Hilfe und durch deine eigenen Anstrengungen kannst du dich auf die neue Welt des Friedens freuen.“ Für die Schmerzen, die sie in dieser Welt weiterhin ertragen musste, erhielt sie tatsächlich keinerlei Trost. Stimmen Sie dem zu? Lesen Sie bitte das gesamte Schreiben.

643 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja. Dies ist das erste Mal, dass ich das Schreiben sehe; ich entschuldige mich. Ich stimme Ihnen jedoch zu: Wenn dies die einzige Hilfe war, die sie erhielt, war das ganz gewiss nicht ausreichend. Wie gesagt, kenne ich den Fall nicht. Welche persönliche Hilfe gaben ihr die Ältesten? Wie waren die Umstände? Aber ich stimme Ihnen zu: Um ihr zu helfen, wäre erheblich mehr erforderlich gewesen als ein solches Schreiben.

644 · FRAGE · MS DAVID
Erkennen Sie auch an, dass es für eine Person, die ein extremes Trauma erlitten hat, sogar noch schädlicher sein kann, wenn man sich bei ihrer Unterstützung streng auf biblische Hinweise beschränkt? Akzeptieren Sie das?

645 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ich akzeptiere, dass es beim Schreiben eines Briefes manchmal sehr schwierig ist, die ihm zugrunde liegende Haltung zu vermitteln. Als Mitglied der Leitenden Körperschaft würde ich ganz gewiss erwarten, dass jeder, der im Namen eines Zweiges einen Brief schreibt, dies in einem Geist der Liebe und Fürsorge tut. Vielleicht war dies beabsichtigt; ich räume aber ein, dass jemand beim Lesen dieses Schreibens diese Liebe und Fürsorge möglicherweise nicht erkennen kann.

646 · FRAGE · MS DAVID
Akzeptieren Sie, dass sich aus ihrer Aussage in dem Schreiben – „Nun kann ich die Angelegenheit nur noch in Ihre Hände legen“ – eine Verantwortung ergibt? Es handelt sich um einen fünfseitigen Brief, den wir hier aus Zeitgründen nicht vollständig behandeln können. Im gesamten Schreiben bittet sie um Unterstützung, Orientierung und Hilfe. Sie berichtet von dem erlittenen Trauma. Es besteht doch eine wirkliche Pflicht, etwas für das umfassende Wohlergehen einer Person wie [BCG] zu tun?

647 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ich stimme Ihnen zu. Sie braucht erheblich mehr als nur einen einzigen Brief.

648 · FRAGE · MS DAVID
Und stimmen Sie zu, dass aufgrund der besonderen Natur der Versammlung – wie Sie zuvor gesagt haben, ist sie nicht lediglich eine Kirche, zu der Menschen erscheinen und anschließend wieder gehen, sondern eine Familie – innerhalb dieser Familie eine umso größere Pflicht besteht sicherzustellen, dass Menschen wie [BCG] umfassend betreut werden?

649 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Dem stimme ich Ihnen vollständig zu, wahrscheinlich sogar stärker, als Sie annehmen. Jedes einzelne Schaf in der Versammlung ist jemand, um den man sich kümmern und den man lieben muss. Ich kann nur sehr schwer glauben, dass dies die einzige Hilfe war, die sie erhielt. Sollte das tatsächlich der Fall gewesen sein, empfinde ich tiefes Mitgefühl für sie, und wir müssen ganz gewiss dafür sorgen, dass erheblich mehr Hilfe geleistet wird als diese.

650 · FRAGE · MS DAVID
Ich möchte noch einmal auf meinen früheren Punkt beziehungsweise meine früheren Fragen zurückkommen: Es muss sichergestellt werden, dass entsprechende Forschung erfolgt. Dr. Applewhite ist hier beispielsweise im Wesentlichen zu dem Ergebnis gekommen, das Schulungsprogramm sei gut und möglicherweise besser als manche anderen. Es gab jedoch keine Forschung, die belegt hätte, wie wirksam das Programm der Zeugen Jehovas tatsächlich ist. Ich entschuldige mich erneut für die Länge meiner Frage, möchte aber auf Folgendes hinaus: Für die Betroffenen ist es sehr entmutigend, wenn Aussagen von Personen wie Dr. Applewhite, die die Erfahrungen der Opfer überhaupt nicht berücksichtigen, bei ihnen den Eindruck entstehen lassen, dass die Beauftragung von Experten eher dem Ruf der Zeugen Jehovas dient als einem ernsthaften Versuch, ihre Erfahrungen tiefgehend zu verstehen.

651 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ich hoffe sehr, dass das nicht der Fall ist; es war ganz gewiss nicht die Absicht. Seien Sie bitte versichert, dass wir an einzelnen Menschen wie Ihrer Mandantin interessiert sind. Darf ich diese Gelegenheit nutzen: Ich kenne Ihre Mandantin nicht, aber bitte übermitteln Sie ihr meine Liebe und meine Anteilnahme. Versichern Sie ihr, dass sie nun offensichtlich Gelegenheit hatte, ihre Gefühle zu schildern, und dass dies hoffentlich dazu beitragen wird, die Richtlinien und Verfahren zu verbessern.

652 · FRAGE · MS DAVID
Ich möchte nun zu einem etwas technischeren Punkt kommen. Bitte schlagen Sie Register 120 des Beweisordners, Seite 72, auf. In Absatz 37 wird unter der Überschrift „Aussage von Jugendlichen“ behandelt, welche Beweise zur Feststellung einer Verfehlung dienen können und wie Jehovas Zeugen die Aussage eines Jugendlichen beurteilen.

653 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Mhm.

654 · FRAGE · MS DAVID
Dort heißt es: „Die Aussage von Jugendlichen kann berücksichtigt werden; es liegt bei den Ältesten festzustellen, ob die Aussage glaubwürdig klingt.“ Wie würden Sie in diesem Zusammenhang zunächst einen „Jugendlichen“ definieren?

655 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Mhm.

656 · FRAGE · MS DAVID
Können Sie uns dabei helfen?

657 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Als jemanden, der noch innerhalb der familiären Ordnung lebt und das gesetzliche Erwachsenenalter nicht erreicht hat. In diesem Zusammenhang ist vermutlich eine eher jüngere Person gemeint.

658 · FRAGE · MS DAVID
Bestehen besondere Zweifel an der Aussage Jugendlicher? Würde sie weniger Gewicht haben als die Aussage eines Erwachsenen? Ich versuche lediglich, die Grundlage dieser Formulierung zu verstehen.

659 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Vielen Dank für diese Frage. Sie ist sehr gut. Darf ich zunächst erwähnen, dass dies im Zusammenhang allgemeiner Streitigkeiten oder anderer zu behandelnder Angelegenheiten steht? Ich gebe Ihnen ein Beispiel, das nichts mit dem Gegenstand der Kommission zu tun hat. Angenommen, Mutter und Vater trennen sich und lassen sich scheiden. Nun könnte die Mutter die Kinder darauf vorbereitet haben, bestimmte Dinge über den Vater zu sagen, um das Sorgerecht zu erhalten. Jehovas Zeugen entscheiden selbstverständlich nicht darüber, ob und wie Eltern sich scheiden lassen. In einem solchen Fall müsste man bei der Aussage eines Kindes jedoch berücksichtigen, ob es möglicherweise von einem Elternteil beeinflusst wurde. Es handelt sich lediglich um einen Vorsichtshinweis, der sicherstellen soll, dass die Aussage glaubhaft ist. Ich möchte aber betonen: Dies ist ein allgemeiner Grundsatz für sämtliche Arten von Fällen, mit denen wir umgehen.

660 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Ich möchte sicherstellen, dass ich Sie richtig verstehe. Müsste man nicht die Aussage jedes Menschen daraufhin prüfen, ob sie glaubwürdig klingt – unabhängig davon, ob es sich um einen Jugendlichen, ein Kind oder einen Erwachsenen handelt? Worin liegt der Unterschied?

661 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist richtig, Euer Ehren. Das ist richtig.

662 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Weshalb werden Jugendliche dann in dem Dokument gesondert hervorgehoben?

663 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Zunächst darf ich zu sexuellem Missbrauch sagen: Wir haben bereits erklärt, dass dem Kind geglaubt wird. Bei den allgemeinen Grundsätzen, die ich anhand einer Scheidung oder anderer Sachverhalte erläutern wollte, kann ein von einem Elternteil abhängiges Kind möglicherweise von diesem beeinflusst werden.

664 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Diese Passage soll also auf das Risiko hinweisen, dass die Aussage eines Menschen – auch eines Erwachsenen – von einer anderen Person beeinflusst sein könnte. Ist das –

665 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist richtig, Euer Ehren, ja. Es ist lediglich eine Erinnerung und keineswegs dazu bestimmt zu sagen, Kinder könnten keine Aussagen machen.

666 · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Gut.

667 · FRAGE · MS DAVID
Da Sie die Aussage Jugendlicher besonders eingeordnet haben, fällt auf, dass die Aussage von Kindern dort überhaupt nicht erwähnt wird. Ich frage mich deshalb, ob der Aussage eines Kindes wegen seines Alters und seiner möglicherweise größeren Beeinflussbarkeit sogar noch weniger Gewicht beigemessen würde.

668 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ich bin nicht ganz sicher, wie Ihre Frage gemeint ist; entschuldigen Sie. Der Zusammenhang ist lediglich folgender: Im nächsten Aufzählungspunkt wird beispielsweise die Aussage von Ungläubigen sowie ausgeschlossenen oder ausgetretenen Personen erwähnt; auch sie „kann berücksichtigt werden“. Hat jemand die Gemeinschaft verlassen, hegt er vielleicht einen Groll gegen eine Person in der Organisation. Ist diese Person aber glaubwürdig und macht eine Aussage, kann ihre Aussage berücksichtigt werden. Es handelt sich lediglich um allgemeine, vernünftige Richtlinien für diejenigen, die solche Fälle bearbeiten. Keineswegs sollen dadurch –

669 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Ich wollte Sie als Nächstes nach genau diesem Aufzählungspunkt fragen, aber Sie haben ihn bereits angesprochen. Dort werden die Aussagen von Ungläubigen sowie ausgeschlossenen und ausgetretenen Personen gesondert behandelt. Es heißt: „Sie können berücksichtigt werden, müssen aber sorgfältig abgewogen werden.“ Für einen Außenstehenden deutet dies darauf hin, dass das Dokument bei der Aussage eines Ungläubigen größere Vorsicht verlangt als bei der Aussage eines Gläubigen. Ist das eine zutreffende Auslegung?

670 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das Dokument sagt, dass jemand, der unsere Auffassung der Schriften nicht teilt, bestimmte Dinge möglicherweise anders beurteilt – beispielsweise das Lügen. Jehovas Zeugen bemühen sich, wahrheitsgemäß zu sein und Tatsachen wahrheitsgemäß darzustellen. Jemand, der kein Zeuge Jehovas ist, hat möglicherweise überhaupt keine Schwierigkeiten damit, eine Lüge zu erzählen. Ich behaupte nicht, Euer Ehren, dass Jehovas Zeugen vollkommen sind; aber die Passage erinnert daran, dass solche Personen möglicherweise eine falsche Aussage machen könnten.

671 · FRAGE · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Meine Annahme ist also richtig: Das Dokument sagt, man solle mit Aussagen von Ungläubigen vorsichtiger umgehen als mit Aussagen von Gläubigen. Ist das richtig?

672 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, das steht dort, Euer Ehren.

673 · FRAGE · MS DAVID
Noch einmal zur Aussage eines Kindes: Gibt es ein Alter, anhand dessen Sie ein Kind von einem Jugendlichen unterscheiden? Trifft das Dokument eine solche Abgrenzung? Gibt es eine Altersgruppe oder andere Kriterien, die Sie verwenden würden?

674 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Es tut mir leid. Ich wünschte, ich könnte Ihre Frage beantworten; sie sollte jedoch von Menschen beantwortet werden, die dafür besser qualifiziert sind als ich.

675 · FRAGE · MS DAVID
Wäre dies ein Bereich, den Sie überprüfen würden – allgemein bei Verfehlungen, insbesondere aber im Zusammenhang mit den hier behandelten Fragen und den Aussagen Jugendlicher? Stimmen Sie zu, dass diese Formulierung einen Ältesten, der sie wörtlich liest, erheblich verwirren und dazu veranlassen könnte, der Aussage eines Jugendlichen von vornherein mit Skepsis zu begegnen?

676 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ihr Punkt ist berechtigt. Gerade deshalb aktualisieren wir dieses Buch von Zeit zu Zeit, wenn wir darin mögliche Unzulänglichkeiten erkennen.

677 · FRAGE · MS DAVID
Und könnte die Passage als Ganzes durch das Fehlen jedes Hinweises auf Kinder bei einem Leser die Frage hervorrufen: Welchen Stellenwert besitzt die Aussage eines Kindes? Hat sie überhaupt irgendeinen Wert?

678 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Mhm. Das sind alles berechtigte Punkte.

679 · FRAGE · MS DAVID
Kommen wir zur vorherigen Seite desselben Dokuments. Bei Ihren Antworten auf die früheren Fragen des Counsel Assisting und von Euer Ehren wirkten Sie offen für die Möglichkeit, Frauen vor der Einsetzung eines Rechtskomitees in die vorläufige, wenn ich es so nennen darf, Untersuchungsphase einzubeziehen. Hier heißt es jedoch, es müssten zwei oder drei Augenzeugen sein und nicht bloß Personen, die Hörensagen wiedergeben. Wenn eine missbrauchte Person beispielsweise mit zwei Glaubensschwestern spricht, müssten Sie daher ein förmliches Verfahren schaffen, das sicherstellt, dass deren Aussagen nicht lediglich als Hörensagen behandelt werden. Verstehen Sie meinen Punkt?

680 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Ja, ich verstehe Ihren Punkt.

681 · FRAGE · MS DAVID
Ich meine Folgendes: Wenn Sie Ihre Richtlinien überprüfen, stimmen Sie zu, dass sichergestellt werden sollte, dass diese Formulierung einen Ältesten bei der Auslegung nicht verwirrt und dadurch den Wert einer Beteiligung von Frauen in dieser Phase mindert?

682 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Das ist ein guter Punkt. Wir sind stets daran interessiert, alles zu verbessern, was verbessert werden kann.

683 · FRAGE · MS DAVID
Noch einmal zu den Schriften: [BCG] war eine sehr gläubige junge Zeugin Jehovas. Deshalb ist es eindeutig wichtig sicherzustellen, dass die biblische Anleitung für eine tiefgläubige betroffene Person nicht einfach aus einem für alle Fälle identischen Paket von Bibelstellen besteht.

684 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Mhm.

685 · FRAGE · MS DAVID
Stimmen Sie zu?

686 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Dem stimme ich vollständig zu. Ja, dem stimme ich vollständig zu.

687 · FRAGE · MS DAVID
Eine solche Anleitung muss vielmehr dadurch abgewogen werden, dass echte Fachleute berücksichtigen, wie eine junge Person wie [BCG] bestimmte Bibelstellen möglicherweise auf eine Weise verinnerlicht, die sich letztlich äußerst zerstörerisch auswirkt?

688 · ANTWORT · GEOFFREY JACKSON
Mhm, ja, dem stimme ich zu.

689 · MS DAVID
Danke.

7. Abschluss der Aussage und weitere Verfahrensfragen

690 · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Hat noch jemand Fragen?

691 · MR TOKLEY
Nein.

692 · A. BANNON SC
Nein, Euer Ehren.

693 · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Herr Stewart, haben Sie noch Fragen?

694 · ANGUS STEWART SC
Nein, Euer Ehren.

695 · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Gut. Damit ist Ihre Aussage abgeschlossen, Herr Jackson. Vielen Dank für Ihre Zeit heute. Sie sind nun förmlich von Ihrer Ladung entbunden.

696 · GEOFFREY JACKSON
Danke.

697 · VERFAHRENSHINWEIS
DER ZEUGE VERLÄSST DEN ZEUGENSTAND.

698 · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Herr Stewart, ich glaube, wir haben bereits Anordnungen hinsichtlich der Schriftsätze getroffen. Ist das richtig?

699 · ANGUS STEWART SC
Ja, Euer Ehren. Zwei Punkte. Erstens wurden diese Anordnungen vor einer Woche auf der Grundlage getroffen, dass vier Wochen für die Schriftsätze und anschließend weitere vier Wochen vorgesehen sind. Da wir heute, eine Woche später, diese weitere Aussage gehört haben und –

700 · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Nein.

701 · ANGUS STEWART SC
– der Bericht von Dr. Applewhite noch aussteht –

702 · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Nein.

703 · ANGUS STEWART SC
Ich wollte fragen, ob –

704 · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Nein, wir belassen die Anordnungen unverändert. Wie bei allen Angelegenheiten ist es wichtig sicherzustellen, dass wir sie so effizient wie möglich abschließen. Ich bin heute nicht bereit, die Anordnungen allein deshalb zu ändern, weil wir diese zusätzliche Aussage gehört haben.

705 · ANGUS STEWART SC
Wie Euer Ehren wünschen.

706 · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Sollten sich später besondere Umstände ergeben, werde ich allerdings nicht so streng sein zu sagen, dass niemals ein entsprechender Antrag gestellt werden könne. Heute jedoch nicht.

707 · ANGUS STEWART SC
Wie Euer Ehren wünschen.

708 · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Gut.

709 · ANGUS STEWART SC
Es bleibt nur eine Angelegenheit: In der vergangenen Woche ist ein weiteres Dokument aufgetaucht, das sich in die Abfolge des Schriftwechsels zu den Schreiben an sämtliche Ältestenschaften einfügt. Ich bitte um Erlaubnis, es als Beweismittel vorzulegen.

710 · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Soll ich es gesondert kennzeichnen?

711 · ANGUS STEWART SC
Es sollte gesondert gekennzeichnet werden, Euer Ehren.

712 · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Ich kennzeichne es als Beweismittel 29-034.

713 · ANGUS STEWART SC
Es handelt sich um ein Schreiben der Watchtower Bible & Tract Society of Australia vom 10. Oktober 2002 an sämtliche Ältestenschaften in Australien. BEWEISMITTEL 29-034: SCHREIBEN DER WATCHTOWER BIBLE & TRACT SOCIETY OF AUSTRALIA VOM 10.10.2002 AN SÄMTLICHE ÄLTESTENSCHAFTEN IN AUSTRALIEN.

714 · ANGUS STEWART SC
Das ist alles.

715 · VORSITZENDER · JUSTICE PETER MCCLELLAN
Wenn es nichts Weiteres gibt, vertage ich die Verhandlung. UM 15.13 UHR WURDE DIE SITZUNG DER KOMMISSION ENTSPRECHEND VERTAGT.

Ende der Übersetzung

Quellengrundlage: Royal Commission into Institutional Responses to Child Sexual Abuse, Public Hearing – Case Study 29, Day 155, Sydney, 14 August 2015. Offizielles englisches Verhandlungsprotokoll.

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Quelle (engl. Original): Royal Commission into Institutional Responses to Child Sexual Abuse, Transkript vom 14.08.2015, Tag 155 – Fallstudie 29.
https://www.childabuseroyalcommission.gov.au/public-hearings/case-study-29-jehovahs-witnesses

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