Studieren Zeugen Jehovas wirklich die Bibel?

Der Begriff Studium bezeichnet klassisch eine systematische, eigenständige Auseinandersetzung mit einem Thema – unter Berücksichtigung unterschiedlicher Perspektiven, Methoden und Quellen.

Ziel ist nicht bloß das Auswendiglernen von Inhalten, sondern das Verstehen von Zusammenhängen, die Fähigkeit zur kritischen Reflexion und die Entwicklung einer eigenen Urteilskraft.

Bei einem echten Bibelstudium würde man daher erwarten, dass biblische Texte in ihrem historischen, sprachlichen und kulturellen Kontext betrachtet werden, dass verschiedene Auslegungen geprüft werden und dass Fragen nicht nur erlaubt, sondern notwendig sind.

Zeugen Jehovas verstehen sich selbst als Menschen, die die Bibel studieren. Tatsächlich wird jedoch nur  mit internen Publikationen gearbeitet – samt vorgegebenen Fragen, vorformulierten Gedankengängen und klar gelenkten Antworten.

Es ist nicht anderes als eine Formen der Auseinandersetzung mit dem eigenen Lehrmaterial – etwa das persönliche Lesen eines Wachtturm-Artikels, die Vorbereitung auf Zusammenkünfte, das sogenannte Familienstudium oder die Teilnahme am Studienwachtturm.

Ziel ist dabei nicht das eigenständige Erforschen biblischer Texte, sondern die Verinnerlichung der offiziellen Lehre der Führung – durch regelmäßige Wiederholung, thematische Zuspitzung und enge Autoritätsbindung.

Was in einem solchen „Bibelstudium“ fehlt, ist genau das, was ein echtes Studium ausmacht:

  • keine offene Textkritik
  • keine ernsthafte Kontextbetrachtung
  • keine Mehrperspektivität, sondern nur eine zulässige Deutung
  • keine wirkliche Selbstständigkeit, sondern Ausrichtung auf Konformität
  • keine ergebnisoffenen Fragen, sondern vorgegebene Antworten

Wer innerhalb dieses Systems „die Bibel studiert“, lernt daher in erster Linie nicht, den Text selbstständig zu prüfen, sondern ihn so zu lesen, wie die Organisation es vorgibt.

Wer als Zeuge Jehovas sagt, er „studiere die Bibel“, meint in der Regel nicht eine offene Prüfung des Textes, sondern die Beschäftigung mit der Bibel innerhalb eines bereits festgelegten Deutungsrahmens. Studiert wird also nicht frei, sondern angeleitet – und das Ergebnis steht immer schon vorher fest.

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