Der Name Gottes in Römer 10:13 – Manipulation durch Übersetzung? (NWÜ-Zeugen Jehovas)

„Denn „jeder, der den Namen Jehovas anruft, wird gerettet werden“ (Römer 10:13, Neue-Welt-Übersetzung)

Mit diesem Vers begründen die Zeugen Jehovas ihren Anspruch, allein im Besitz der Wahrheit zu sein. Denn nur sie würden den Namen Gottes („Jehova“) gebrauchen und ihn anrufen. Doch was sagt der griechische Urtext? Und wer ist im Kontext dieser Passage mit dem „Herrn“ überhaupt gemeint?


1. Der Kontext: Wer ist der „Kyrios“?

Schauen wir uns den Zusammenhang von Römer 10 an, besonders die Verse 9 bis 13:

„Denn wenn du mit deinem Mund bekennst, dass Jesus der Herr (Kyrios) ist, und in deinem Herzen glaubst, dass Gott ihn von den Toten auferweckt hat, wirst du gerettet werden.“ (Vers 9)

Der Begriff „Kyrios“ wird hier eindeutig auf Jesus Christus bezogen. Auch in den Versen 11 und 12 geht es um denselben Herrn, den alle anrufen sollen – unabhängig davon, ob sie Juden oder Griechen sind.

„Denn es gibt keinen Unterschied zwischen Jude und Grieche, denn über alle ist derselbe Herr (Kyrios), der reich ist für alle, die ihn anrufen.“ (Vers 12)



2. Der Bruch in Vers 13: Plötzlich „Jehova“?

Nun folgt der zentrale Vers:

„Denn „jeder, der den Namen Jehovas anruft, wird gerettet werden.“ (NWÜ)

Im griechischen Urtext steht aber weiterhin Kyrios (Herr) – wie zuvor auch. Dasselbe Wort wird nun nicht mehr mit Jesus übersetzt, sondern mit „Jehova“. Die Zeugen Jehovas begründen dies damit, dass Paulus an dieser Stelle angeblich auf Joel 3,5 (bzw. Joel 2,32 LXX) anspielt, wo im Hebräischen das Tetragramm JHWH steht.

Doch dieser Verweis ist ein klassisches Eigentor: Denn Paulus zitiert den Vers, um zu zeigen, dass Jesus jener „Herr“ ist, der angerufen werden soll. Er überträgt also das Zitat aus Joel auf Christus.


3. Die theologische Bedeutung: Eine stille Aufwertung

Im frühchristlichen Kontext war es eine theologische Revolution, dass Paulus den Begriff Kyrios, der in der griechischen Übersetzung des Alten Testaments (LXX) für JHWH stand, auf Jesus Christus übertrug. Dies war für viele Juden ein Skandal, für die Urgemeinde jedoch ein zentrales Bekenntnis: Jesus ist nicht nur ein Prophet, sondern Herr, er ist der „Name, der über allen Namen ist“ (Phil 2:9–11).

Die Neue-Welt-Übersetzung verwischt diese theologische Dynamik. Sie tut so, als ginge es hier gar nicht um Jesus, sondern um Jehova, den Vater – und stellt damit das Pauluswort auf den Kopf.


4. Die Strategie der NWÜ: Kontextbruch zur Lehrenabsicherung

Wenn wir die Verse Römer 10,1–13 vergleichen, sehen wir:

  • „Theos“ wird konsequent mit „Gott“ übersetzt
  • „Kyrios“ wird für Jesus verwendet (Verse 9, 12)
  • Nur in Vers 13 – obwohl sprachlich und thematisch identisch – erscheint plötzlich „Jehova“

Das ist kein philologisches Versehen, sondern eine gezielte Umdeutung. Der Leser soll glauben, Paulus habe hier zwischen „Jesus“ und „Jehova“ differenziert, obwohl der Text das Gegenteil zeigt.



5. Fazit: Manipulation am heiligen Text

Die Neue-Welt-Übersetzung betreibt an dieser Stelle einen klaren Eingriff in den biblischen Text. Durch die gezielte Substitution von „Kyrios“ mit „Jehova“ wird die theologische Botschaft des Paulus entschärft und in ein Zeugen-Jehovas-kompatibles Schema übertragen. Dabei ignoriert man:

  • Den Kontext des gesamten Abschnitts
  • Die sprachliche Einheit des Begriffs „Kyrios“
  • Die theologische Absicht der paulinischen Argumentation

Was bleibt, ist eine Übersetzung, die mehr verschleiert als erläutert. Wer also Römer 10,13 zur Rechtfertigung des Gebrauches des Namens „Jehova“ im Neuen Testament heranzieht, tut dies gegen den Wortlaut, gegen den Kontext und gegen den Geist der ursprünglichen Botschaft.


„Denn wenn du mit deinem Mund bekennst, dass Jesus Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass Gott ihn von den Toten auferweckt hat, wirst du gerettet werden.“ (Römer 10:9)

Nicht weil du „Jehova“ sagst, sondern weil du Jesus Christus als deinen Herrn anerkennst.


Rechtlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der journalistischen und theologisch fundierten Auseinandersetzung mit öffentlich dokumentierten Vorgängen der Wachtturm-Gesellschaft. Alle Zitate dienen der kritischen Analyse gemäß § 51 UrhG (Zitatrecht). Alle genannten Gruppennamen und Begriffe sind eingetragene Bezeichnungen der jeweiligen Organisationen und werden hier ausschließlich im Rahmen zulässiger Berichterstattung nach § 50 UrhG und § 5 GG verwendet.

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