„Zu spät für meine Frau“ – wenn eine neue „Klarstellung“ erst Jahre später kommt

Die jüngste Änderung der Blutregel bei Jehovas Zeugen wird von vielen Mitgliedern vermutlich als Erleichterung empfunden. Für andere kommt sie jedoch zu spät.

Auf Reddit schildert ein ehemaliger Zeuge Jehovas, was die neue Regelung bei ihm ausgelöst hat. Seine Frau litt an Sichelzellanämie und starb vor fünf Jahren. Nach seinen Angaben benötigte sie damals eine Bluttransfusion.

Heute erfährt er, dass eine Transfusion roter Blutkörperchen nach der neuen Regelung offenbar nicht mehr grundsätzlich verboten sein soll.

Seine Reaktion ist entsprechend bitter:

„Plötzlich sind Transfusionen roter Blutkörperchen in Gottes Augen in Ordnung.“

Und dann folgt der Satz, der den eigentlichen Kern des Problems trifft:

„Ich schätze, meine Frau war nicht wichtig genug, diese Klarstellung noch vor ihrem Tod zu bekommen.“

Eine Lehränderung ist nicht nur Theorie

Religiöse Änderungen werden bei Jehovas Zeugen regelmäßig als neues Verständnis oder „Klarstellung“ präsentiert.

Doch bei der Blutfrage geht es nicht um irgendeine theologische Detailfrage.

Menschen haben auf Grundlage der jeweils geltenden Lehre Entscheidungen über medizinische Behandlungen getroffen. Entscheidungen, die sich später nicht mehr rückgängig machen lassen.

Für heute Betroffene bedeutet eine Lockerung möglicherweise mehr persönliche Entscheidungsfreiheit.

Für Menschen, die unter den früheren Regeln entschieden haben, bleibt dagegen eine andere Frage zurück:

Wenn etwas gestern noch als Verstoß gegen Gottes Willen galt und heute plötzlich erlaubt ist wer übernimmt Verantwortung für die Folgen der alten Regel?

Der Reddit-Beitrag zeigt, warum diese Frage nicht abstrakt ist.

Für manche Menschen kommt eine „Klarstellung“ schlicht Jahre zu spät.

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