HSV in der Kritik: Zeugen Jehovas im Volksparkstadion

Der internationale Kongress der Zeugen Jehovas im Hamburger Volksparkstadion sorgt nicht nur wegen seiner Größe für Aufmerksamkeit. Auch die Entscheidung des HSV, sein Stadion für die Veranstaltung zur Verfügung zu stellen, stößt auf Kritik.

Dabei geht es weniger um die Frage, ob eine Religionsgemeinschaft grundsätzlich ein Fußballstadion mieten darf. Kritiker sehen vielmehr einen Widerspruch zwischen den öffentlich vertretenen Werten des HSV und Positionen der Zeugen Jehovas – insbesondere beim Umgang mit Homosexualität.

„Das widerspricht allem, was der HSV aufgebaut hat“

Besonders deutlich äußerte sich ein langjähriges HSV-Mitglied gegenüber der Hamburger Morgenpost.

Franz Herrmann, nach Angaben der MOPO seit Jahrzehnten HSV-Fan, verweist darauf, dass der Verein im Stadion für Toleranz und gegen Diskriminierung eintritt. Dass gleichzeitig eine Religionsgemeinschaft das Volksparkstadion mietet, die homosexuelle Beziehungen als mit ihren religiösen Regeln unvereinbar betrachtet, hält er für nicht nachvollziehbar.

Seine Kritik fällt deutlich aus:

„Ich bin entsetzt. Das widerspricht allem Positiven, was der HSV aufgebaut hat.“

Herrmann will die Angelegenheit offenbar auch vereinsintern weiterverfolgen. Laut MOPO möchte er bis zur nächsten Mitgliederversammlung einen Antrag vorbereiten, mit dem die Entscheidung zur Durchführung der Veranstaltung aufgearbeitet werden soll. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung hatte der HSV auf eine Anfrage der Zeitung noch nicht reagiert.

➡️ MOPO: „Zeugen Jehovas im Volkspark: Das widerspricht allem, was der HSV aufgebaut hat“

Auch das Hamburger Abendblatt stellt die Frage

Auch das Hamburger Abendblatt griff die Diskussion auf. Unter der Überschrift

„HSV kassiert hohe Summe von Zeugen Jehovas für Volksparkstadion: Darf der Club das?“

berichtet die Zeitung ausdrücklich von Kritik innerhalb der HSV-Fanszene.

➡️ Hamburger Abendblatt: „Darf der HSV Geld von den Zeugen Jehovas nehmen?“

Nach Medienberichten soll die Miete für die dreitägige Nutzung des Stadions im sechsstelligen Bereich liegen. Eine offizielle Bestätigung dieser Summe liegt allerdings bislang nicht vor.

Auch DER SPIEGEL griff die Kontroverse auf und stellte sehr direkt die Frage, ob der HSV sein Stadion an „christliche Fundamentalisten“ vermieten sollte. Im Vorfeld habe es Diskussionen sowohl über das Sicherheitskonzept als auch über die Vermietung gegeben.

Die eigentliche Frage ist nicht das Mietrecht

Natürlich darf ein Stadion grundsätzlich auch für religiöse Veranstaltungen genutzt werden. Und selbstverständlich bedeutet eine Vermietung nicht automatisch, dass sich der HSV sämtliche Überzeugungen seines Mieters zu eigen macht.

Die Kritik wirft trotzdem eine berechtigte Frage auf:

Wie konsequent sind öffentlich formulierte Werte wie Vielfalt, Toleranz und der Schutz vor Diskriminierung, wenn bei der Auswahl zahlender Veranstalter plötzlich andere Maßstäbe gelten?

Gerade die Zeugen Jehovas vertreten bei Homosexualität, Sexualität und dem Umgang mit ehemaligen Mitgliedern Positionen, die seit Jahren Gegenstand gesellschaftlicher Kritik sind.

Das muss nicht automatisch bedeuten, dass der HSV ihnen sein Stadion nicht vermieten darf.

Aber dass Vereinsmitglieder fragen, ob der wirtschaftliche Ertrag mit dem eigenen Werteverständnis zusammenpasst, ist alles andere als überraschend.

Und vielleicht ist genau diese Diskussion wichtiger als die Frage, ob am Wochenende nun 25.000 oder vermeintlich 75.000 Menschen im Volksparkstadion waren.

Quellen und Weiterlesen

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